Wüstenheuschrecken im Shaba-Nationalreservat in Isiolo (Kenia) | Bildquelle: AP

Freiwillige gegen die Heuschreckenplage "Ihr müsst den Krieg gewinnen"

Stand: 15.02.2020 03:39 Uhr

Im Kampf gehen die Millionen Heuschrecken in Ostafrika werden jetzt Freiwillige ausgebildet, die Pestizide sprühen sollen. Die Zeit drängt. Vermehren sich die Insekten weiter, könnten die Ernten vernichtet werden.

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Frontalunterricht für 500 Freiwillige. Sie sollen in den nächsten Wochen in Kenia die Wüstenheuschrecken bekämpfen. Die Vorbereitung auf den Einsatz mit einem Trainer der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft läuft wie für einen Feldzug: "Wenn ihr da raus geht, dann habt immer eins im Kopf: Ihr müsst den Krieg gewinnen."

Kenia ist im Moment am stärksten von der Heuschreckenplage betroffen. Abermillionen von Insekten fallen über das Land her und fressen Felder, Bäume und Sträucher kahl. "Wenn ihr auf die Karte guckt, dann seht ihr, dass inzwischen fast drei Viertel der Fläche von Kenia von den Schwärmen heimgesucht wurden", erklärt der UN-Vertreter.

Erste Schwärme nun auch in Uganda

Auch in Somalia und Äthiopien sind Heuschrecken unterwegs. In Uganda wurden erste Schwärme gesichtet. Die Region zittert um ihre Ernten. "Dieses Gebiet am Horn von Afrika war schon vorher von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen", sagt der Vertreter der zuständigen UN-Organisation in Kenia. "Wir hatten mehrere Dürren."

Besonders verheerend ist die Lage in Somalia. Die Regierung hat wegen der Heuschrecken den Notstand ausgerufen. Weite Teile des Landes werden von einer islamistischen Miliz kontrolliert. Die Insekten hier zu bekämpfen, ist so gut wie unmöglich. In den übrigen Regionen sollen Pestizide helfen. "Für die betroffenen Länder schätzen wir, dass wir 76 Millionen Dollar oder mehr brauchen, um die benötigte Ausrüstung zu organisieren und dann die Plage unter Kontrolle zu bekommen."

Karte: Heuschreckenplage in Ostafrika
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Heuschreckenplage in Ostafrika

Kampf gegen die Larven

Auf die Theorie folgt bei den Freiwilligen die Praxis. Sie werden mit den Sprühgeräten für Pestizide vertraut gemacht. Als Bodenteams sollen die jungen Männer damit ausschwärmen und die Heuschrecken bekämpfen. Am besten funktioniert dies im frühen Stadium, wenn die Larven gerade aus den Eiern geschlüpft sind und noch nicht fliegen können. Glückt die Aktion nicht, könnte sich die Zahl der Insekten bis Juni um das 500-fache steigern, schätzen Experten.

"Im Moment konzentriert die UN-Organisation ihre Anstrengungen auf Kenia", sagt ein Fachmann des Landwirtschaftsministeriums. Es soll verhindert werden, dass sich die Heuschrecken noch weiter vermehren und verbreiten.

Wüstenheuschrecken im Shaba-Nationalreservat in Isiolo (Kenia) | Bildquelle: Daniel Irungu/EPA-EFE/REX
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Ein Mann zeigt tote Heuschrecken in Kenia. (Januar 2020)

Vier Millionen Euro für den Einsatz

Für Sprühausrüstung und Pestizide hat Kenias Regierung bisher umgerechnet knapp vier Millionen Euro bezahlt. Auch einige Flugzeuge sind im Einsatz, um die Heuschrecken aus der Luft zu bekämpfen. Die Erfolge dürfen nicht mehr lange auf sich warten lassen, meint der UN-Vertreter: "Das Zeitlimit war eigentlich schon gestern. Wir wollen sie unter Kontrolle bekommen. Sie sollten nicht hier sein - denn sie sind eine Plage."

Die Heuschrecken sollen vor der Pflanzsaison bekämpft werden. In einigen Regionen Kenias hat die allerdings schon begonnen.

Heuschreckenplage und kein Ende - Was unternimmt Ostafrika?
Antje Diekhans, ARD Nairobi
14.02.2020 17:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Februar 2020 um 08:38 Uhr.

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