Flugzeuge am Terminal 5 des Flughafens London-Heathrow

Zukunftskonzepte für Londoner Flughafen Heathrow-Ausbau oder "Boris Island"?

Stand: 17.12.2013 15:15 Uhr

Der Flughafen Heathrow in London ist so überlastet, dass kleinste Störungen im Chaos enden. Experten empfehlen jetzt, den Airport weiter auszubauen. "Eine Katastrophe", sagt Bürgermeister Johnson und setzt auf eine eigene Insel.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Hörfunkstudio London

Der Zwischenbericht der Expertenkommission ist politischer Sprengstoff: Unter den drei Vorschlägen auf der Shortlist befürworten zwei den Ausbau des Flughafens Heathrow im Westen Londons. Der erste empfiehlt eine dritte Landebahn im Nordwesten des bisherigen Flughafenareals. Der zweite ist die Idee, eine der beiden existierenden Landebahnen zu verlängern, damit die Flugzeuge auf dieser Landebahn gleichzeitig starten und landen können. Ein dritter Vorschlag sieht eine weitere Landebahn für Londons zweitgrößten Flughafen Gatwick vor.

Anwohner und Umweltorganisationen sind entsetzt: Eine Erweiterung von Heathrow würde noch mehr Fluglärm über London bedeuten. Denn 80 Prozent aller Flugzeuge fliegen über das Stadtgebiet ein. Londons Bürgermeister Boris Johnson nannte die Vorschläge der Experten deshalb eine "Katastrophe".

Experten schlagen Ausbau des Flughafens Heathrow vor
J.-P. Marquardt, ARD London
17.12.2013 14:23 Uhr

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"Kompletter Schwachsinn"

"Eine neue Landebahn im Westen Londons ist kompletter Schwachsinn", sagte Johnson. "Heathrow würde dadurch nur noch größer werden. Nach der dritten Landebahn würden sofort Forderungen nach einer vierten entstehen." Das wäre eine Katastrophe für London und die Lebensqualität, meint er. 

Passagiere stehen im Terminal3 in London Heathrow
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In Heathrow werden jährlich 70 Millionen Passagieren abgefertigt.

Es ist die britische Wirtschaft, die Druck macht. Heathrow, der mit 70 Millionen Passagieren mit Abstand größte Flughafen Europas, ist an seiner Kapazitätsgrenze angekommen. Schon kleinste Störungen führen dort zu einem Chaos, weil es keine Luft mehr zwischen den Start- und Landeslots gibt. Die Wirtschaft will deshalb Heathrow als internationales Luftkreuz erhalten und ausbauen.

"Die britischen Geschäftsleute müssen zu ihren Überseemärkten fliegen können", sagte Howard Davies, der Chef der von der Regierung eingesetzten Expertenkommission, bei der Vorlage des Zwischenberichts. "Familien müssen ihre Verwandten im Ausland besuchen können. Und immer mehr wollen in den Urlaub fliegen." Diesen Herausforderungen müsse man sich stellen und die umweltpolitischen Gesichtspunkte in den Griff kriegen: "Es geht darum, eine Antwort auf die Anforderungen einer wachsenden Wirtschaft zu finden."

Ruhe über London mit "Boris Island"?

Londons Bürgermeister Boris Johnson
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Londons Bürgermeister Johnson will einen Ausbau Heathrows verhindern.

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson sieht das im Prinzip ein. Er hat aber eine ganz andere Idee: Er will einen komplett neuen Flughafen an der Themse-Mündung bauen und Heathrow dicht machen. Damit wäre Ruhe über London. Dieser Vorschlag, der bereits den Spitznamen "Boris Island" bekommen hat, hat es nicht auf die Shortlist geschafft - vor allem, weil er vier bis fünfmal so teuer ist wie eine neue Landebahn in Heathrow. Johnson hat aber so viel Druck gemacht, dass die Regierungsexperten versprochen haben, die Idee weiter zu prüfen, bevor sie im Sommer 2015 ihren endgültigen Bericht vorlegen. 

Dann, nach der Unterhauswahl, muss die Regierung Farbe bekennen. Der konservative Premierminister David Cameron hatte 2010 die Pläne für die Erweiterung Heathrows gestoppt, auf Druck der eigenen Partei. Die Wahlbezirke im Londoner Westen sind konservative Hochburgen. Der Zwischenbericht seiner eigenen Kommission macht es für ihn jetzt nicht leichter.

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