Hafen der Faröer-Inselhauptstadt Torshavn | Bildquelle: picture alliance / Franz Neumayr

Streit um Huawei Erpresste China die Färöer-Regierung?

Stand: 12.12.2019 15:58 Uhr

Chinas Führung soll versucht haben, die Regierung der Färöer-Inseln unter Druck zu setzen: Ein Freihandelspakt solle nur zustande kommen, wenn Huawei das 5G-Netz auf der Inselgruppe aufbauen dürfe.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai, zzt. Hongkong

Die im Nordatlantik gelegenen Färöer-Inseln sorgen in der Diskussion um den umstrittenen chinesischen Konzern Huawei für internationales Aufsehen. Grund ist ein Gespräch, das Ministerpräsident Bárður Nielsen am 11. November mit dem chinesischen Botschafter in Dänemark geführt hat.

Die Tageszeitung "Berlingske" berichtet über das Gespräch. Demnach hat Chinas Botschafter Feng Tie auf den Regierungschef der Färöer mächtig Druck ausgeübt: Ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen Färöer und China werde nur zustande kommen, wenn das Unternehmen Huawei das neue 5G-Mobilfunknetz auf der Inselgruppe aufbauen dürfe.

China weist die Medienberichte zurück

In dem Berlingske-Bericht ist von Drohungen die Rede, andere Medien sprechen von einem Erpressungsversuch des chinesischen Botschafters. Auch wenn die zu Dänemark gehörenden, aber autonom regierten Färöer klein sind: Sollte sich das Gespräch zwischen Nielsen und Feng tatsächlich so zugetragen haben, wäre es ein bemerkenswerter Vorfall. Denn bisher beteuert die chinesische Führung immer wieder, Huawei sei ein komplett unabhängiges Privatunternehmen, bei dem sich der Staat nicht einmische.

Kritiker argumentieren schon seit langem, dass es enge Verbindungen gebe zwischen Huawei und der kommunistischen Staatsführung in Peking. Chinas Außenministerium hat den Medienbericht inzwischen zurückgewiesen.

Sprecherin Hua Chunying betonte, der Bericht enthalte Fehler. Bei dem Gespräch sei es um die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Färöer und China und um künftige Kooperationen gegangen. Sie riet Journalisten außerdem, sich beim Thema Drohungen lieber mit dem Verhalten der US-Regierung gegenüber China zu beschäftigen.

Bundestag befasst sich mit Huawei

Weltweit wird darüber diskutiert, ob der chinesische Huawei-Konzern vom Aufbau des neuen 5G-Mobilfunknetzes ausgeschlossen werden sollte oder nicht. Viele westliche Geheimdienste und auch immer mehr Politiker warnen vor möglichen Sicherheitsrisiken, weil Huawei als chinesisches Unternehmen in letzter Konsequenz der Staats- und Parteiführung verpflichtet ist.

In Deutschland wird sich auf Druck zahlreicher Abgeordneter der Bundestag mit dem Thema beschäftigen, wahrscheinlich bereits nächste Woche.

Streit um Huawei: Chinas Führung wollte offenbar Färöer-Regierung erpressen
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
12.12.2019 15:08 Uhr

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