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Schiitenmiliz im Irak Schattenarmee droht mit Vergeltung

Stand: 06.09.2019 14:08 Uhr

Seit einer Reihe von Explosionen in Munitionsdepots nehmen die Spannungen im Irak zu. Schiitische Milizen vermuten Israel hinter den Anschlägen. Die Sorge vor einem Stellvertreterkrieg ist groß.

Von Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo

Martialisches Trommeln. Fanfaren. Im Gleichschritt marschieren Hunderte Kadetten über den Truppenübungsplatz bei Kerbela. Es ist ein pompöses Zeremoniell zum Abschluss ihrer militärischen Ausbildung. Und ein seltener Einblick in das Innenleben der Haschd-al-Schaabi-Miliz. "Die Miliz ist ein entscheidender Machtfaktor im Irak," sagt Kommandant Kasm Mosleh stolz. "Sie ist militärisch so schlagkräftig wie keine andere Gruppierung im Irak."

Die Verbindungen zum Nachbarland sind eng. Die Kämpfer gehören allesamt der Religionsgruppe der Schiiten an. Als deren Schutzmacht sieht sich die Regierung in Teheran. Ihr gilt im Zweifel die Loyalität. Und eben das ist das Problem.

Haschd-al-Schaabi-Miliz: Die schiitische Schattenarmee im Irak
04.09.2019, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Zerrissen zwischen den USA und dem Iran

Der Irak ist zerrissen zwischen dem Iran und den USA. Die unterhalten dort eine Militärbasis mit 5000 Soldaten. Politisch, wirtschaftlich und kulturell wiederum ist das Land mit dem Iran eng verflochten. Seit der Konflikt zwischen Teheran und Washington hochkocht, steigen auch die Spannungen im Irak, droht dort ein Stellvertreterkrieg zwischen US-Einheiten und der Haschd-al-Schaabi-Miliz.

Die Haschd-al-Schaabi-Miliz in ihrer Anfangszeit 2014
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2014 entstand die Haschd-al-Schaabi-Miliz.

Der Juni 2014 war ihre Geburtsstunde. Die marode irakische Armee konnte dem Vormarsch des "Islamischen Staates" wenig entgegensetzen. Großajatollah Ali al Sistani rief zum Kampf gegen die Terrormiliz auf. Zehntausende Schiiten folgten. Das Regime in Teheran bildete die junge Truppe aus, stattete sie mit modernen Waffen aus. Erfolgreich drängten sie die IS-Kämpfer zurück.

"Jeder ist damals dem Ruf unseres religiösen Führers gefolgt", sagt Kommandeur Mosleh. "Damals hatten wir noch keine Waffen. Heute ist die Haschd al Schaabi-Miliz eine anerkannte militärische Einheit an der Seite des Premierministers. Die Waffen, mit denen wir ausgestattet sind, sind gut."

Truppe mit Eigenleben

In der Tat zählt die Miliz heute etwa 140.000 Kämpfer. Sie haben sich vor allem in den früheren IS-Hochburgen festgesetzt. Eine Schattenarmee, mit deren Hilfe der Iran seine Macht in der Region erheblich ausgebaut hat. Offiziell wurde die Miliz mittlerweile in die irakische Armee eingegliedert. Doch noch immer führt sie ein Eigenleben, hört im Zweifel eher auf den Befehl aus Teheran als aus Bagdad.

"Der Iran genießt nirgends Immunität"

Den Vereinigten Staaten und ihrem Bündnispartner Israel ist das ein Dorn im Auge. Die USA sorgen sich um Soldaten und Botschaftspersonal im Irak. Ende Mai war eine Rakete in der Nähe der US-Botschaft in Bagdad eingeschlagen. Schnell fiel der Verdacht auf die Schiitenmiliz.

Als Vergeltung für die US-Sanktionen gegen den Iran. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu fürchtet gar einen Angriff und will die Teheran-treuen Kämpfer mit aller Macht zurückdrängen. "Seien Sie vorsichtig mit ihren Worten und noch vorsichtiger mit ihren Taten", sagt Netanyahu, "der Iran genießt nirgends Immunität."

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Immer wieder gab es in den vergangenen Wochen Angriffe der Haschd-al-Schaabi-Miliz.

Verheerende Angriffe auf Munitionslager

Seit einigen Wochen erschüttern Explosionen die Waffendepots der Haschd-al-Schaabi. Mindestens fünf verheerende Drohnenangriffe sollen es seit Mitte Juli gewesen sein. Sehr schnell fiel der Verdacht auf Israel. "Sie haben große Angst vor den Haschd-al-Schaabi", sagt Hussein Nadum, einer der jungen Kadetten der Miliz. "Deshalb haben sie diese Stützpunkte angegriffen. Aber wir haben starke Kämpfer und in unserer Ausbildung viel gelernt. Sie werden unseren Willen nicht brechen."

Sorge vor Stellvertreterkrieg

Die Spirale von Gewalt und Gegengewalt dreht sich. Es fehlt nicht viel zu einem Flächenbrand. Der Ruf nach Vergeltung in den Reihen der Miliz wird immer lauter. "Sie wollen uns und unsere Jugend zerstören, die Helden des Haschd-al-Schaabi", meint Mohamed Duwud. "Aber für jeden, den sie töten, kommen zehn neue Kämpfer nach." Einmal mehr droht der Irak zum Kriegsschauplatz zu werden.

Auch wenn alle Seiten immer beteuern, an einem solchen Krieg kein Interesse zu haben. Doch womöglich reicht schon ein Funke für den Flächenbrand. Ausgerechnet in dem krisengeschüttelten Land, in dem sich Millionen nach Frieden und Stabilität sehnen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. September 2019 um 18:00 Uhr.

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