Buckingham Palace | AP

Interview von Harry und Meghan Das Königshaus schweigt - vorerst

Stand: 09.03.2021 09:57 Uhr

Noch gibt es keine Reaktionen aus dem britischen Königshaus zum Interview von Harry und Meghan im US-Fernsehen. In der britischen Öffentlichkeit gehen die Meinungen auseinander, und in der Presse droht eine Schlammschlacht.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio London, zurzeit Hamburg

Es war eine Äußerung des Premierministers zum Konflikt im Königshaus angekündigt worden, aber dann wollte Boris Johnson wohl doch nicht. Er hätte auch mit einer alten Tradition gebrochen. Er bewundere die Königin für ihre einigende Rolle in der Gesellschaft und werde dabeibleiben, Vorgänge in der königlichen Familie nicht zu kommentieren, erklärte Johnson.

Udo Schmidt

Es waren heftige Vorwürfe, die das britische Königshaus durchaus erschüttern, wohl schlimmer als das, was Queen Elizabeth erwartet hatte. Meghan sprach in dem Interview mit Oprah Winfrey von Suizidgedanken, weil sie sich im Palast so allein und eingesperrt gefühlt habe: "Es war ganz real, sie haben mich erschreckt, diese Gedanken mitten in der Nacht, das bin eigentlich nicht ich", sagte sie im Interview mit der amerikanischen Talkshowmoderatorin. Keiner, so Meghan, habe ihr geholfen.

Gnadenlos in der Außendarstellung?

Es ist das Bild einer Firma, das Meghan selber gerne nutzt, einer Firma, die gnadenlos vorgeht, wenn es um die Außendarstellung geht. Und es ist das Bild einer Königsfamilie, in der es rassistische Untertöne gibt. Vielleicht mehr als das. Es sei während ihrer Schwangerschaft um die Sorge gegangen, wie dunkel wohl die Haut des Babys werde.

Meghan wollte nicht sagen, wer sich da Sorgen um Archies Hautfarbe gemacht habe, aber der Rassismus-Vorwurf ist nun in der Welt. Für die Autorin Shola Mos-Shogbamimu ist klar: "Sie haben über die Hautfarbe gesprochen, das ist normalerweise Rassismus." Weder die Queen noch Prinz Philipp seien gemeint gewesen, erklärte Oprah Winfrey gestern, das hätten ihr Harry und Meghan versichert. 

Britische Zeitungen mit Schlagzeilen zum Interview von Harry und Meghan | AP

Schlammschlacht im britischen Königshaus - für die heimische Presse war das Thema Nummer 1. Bild: AP

Kritik an den Fragen

Aber es gibt auch Kritik an dem Interview. Anna Paternak, Biografin des Königshauses meint, es seien nur passende Fragen gestellt worden - "keine Frage nach Meghans Verhältnis zu ihrem Vater oder warum nur ein Familienmitglied bei der Hochzeit war".

Es wird dauern, bis sich das Verhältnis von Harry und Meghan zum Buckingham Palast wieder bessert. Erst einmal droht zumindest in der britischen Presse eine Schlammschlacht. Die Briten selber sind gespalten, sie mochten jedoch Harry und Meghan schon immer - gerade wegen ihrer Nahbarkeit. Und nahbar zeigten sich beide in dem Interview ganz sicher. Allerdings: Neue Umfragezahlen, veröffentlicht von "Sky News" belegen einen Abwärtstrend: Demnach finden 47 Prozent der Befragten das Interview unangemessen, für angemessen halten es nur 21 Prozent.