Ein Gefängnis in den USA

Schwarzer stirbt durch Misshandlung Tod hinter Gefängnismauern

Stand: 19.08.2015 03:47 Uhr

Nach den Berichten über schwarze Amerikaner, die bei Polizeiaktionen ums Leben kamen, erschüttert nun ein weiterer brisanter Fall die USA. Ein psychisch kranker Gefängnisinsasse kam offenbar durch Misshandlung der Wärter ums Leben.

Von Kai Clement, ARD-Hörfunkstudio New York

Samuel Harrell ist 30 Jahre alt, gut 1,80 Meter groß und über 100 Kilogramm schwer - und schwarz. Er saß wegen Drogenvergehen im staatlichen Fishkill Gefängnis, etwa eine Autostunde nördlich von New York. Wichtig dabei: Harrell hatte eine diagnostizierte psychische Erkrankung, berichtet Michael Schwirtz, der den Fall für die renommierte Zeitung "New York Times" aufgedeckt hat. Harrell habe sogar gedacht, dass der Fernseher oder Familienfotos zu ihm sprächen.

Kai Clement

Ende April dieses Jahres beschließt Harrell, einfach nach Hause zu gehen - obwohl seine Strafe noch lange nicht verbüßt ist. Was dann passiert, haben 19 Gefängnisinsassen der NYT beschrieben, 14 davon in eidesstattlichen Erklärungen. Außerdem hatte die Zeitung Zugang zu medizinischen Dokumenten und Aussagen von Rettungssanitätern. "Mr. Harrell wurde mit Handschellen gefesselt", heißt es etwa in den Berichten. "Dann wurde er zu Boden geworfen, von Aufsehern geschlagen und schließlich eine Treppe hinunter gezogen oder geworfen. Kurz darauf starb er."

Aufarbeitung - Fehlanzeige

15 bis 20 Aufseher sollen sich daran beteiligt haben, neun davon haben Gefängnisinsassen namentlich benannt. Geschehen ist bislang - nichts. Die Staatspolizei, zuständig für das Gefängnis, ermittelt. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Erfahren habe die Zeitung von dem Fall überhaupt erst durch einen Tipp. Das Gefängnis selbst habe praktisch auf Blockade geschaltet. Man könnte die Geschichte als Einzelfall tun, angesichts dessen, dass der Übergriff mit dem Tod des Häftlings endete. Ansonsten ist er das aber offenbar nicht.

"Einige Gefängnisinsassen haben in diesem Fall und in anderen - über Jahre hinweg - von einem sogenannten 'Beat up Squad', einer Schlägertruppe gesprochen. Das ist eine Gruppe von Aufsehern, die bei Problemen im Grunde die Häftlinge zusammenschlagen", so der Bericht. Das Fishkill Gefängnis ist eine staatliche Einrichtung. Eine Kultur der Gewalt gibt es auch im riesigen städtischen New Yorker Gefängnis auf der Insel Rikers Island. Amtlich bescheinigt von dem New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara vor ziemlich genau einem Jahr: "Es ist ein Ort, wo brutale Gewalt der erste Impuls ist statt die letzte Option. Wo es eine Kultur der Gewalt gibt - unter einem Gesetz des Schweigens."

Todesursache Herzstillstand

Samuel Harrell verstarb nicht ursächlich durch die Schlägerei - wohl aber mittelbar, erklärt Michael Schwirtz. Das habe die Autopsie ergeben. Totschlag, so deren Resultat. "Der Stress, den diese Situation auslöste, scheint einen Herzstillstand bewirkt zu haben."

Es erinnert an den Tod von Eric Garner - einer der ersten in einer ganzen Reihe von Polizeiübergriffen auf unbewaffnete Schwarze. In den Würgegriff genommen wegen des Verkaufs unverzollter Zigaretten starb er wenig später. Das Ganze aufgenommen per Handyvideo - wie so viele tödliche Zwischenfälle, die folgten.

Keine Überwachungskameras in Gefängnissen

Anders ist die Situation im Gefängnis. "In vielen der Fälle die die nationale Debatte und Proteste befeuert haben, da gab es Videomaterial. In Gefängnissen ist das schwierig. In New Yorker Einrichtungen gibt es kaum Überwachungskameras." Die Familie von Samuel Harrell  will nun den Staat verklagen. Im Fall von Eric Garner hatte sich die Stadt mit den Hinterbliebenen auf eine Summe von umgerechnet etwa 5,3 Millionen Euro geeinigt.

Bei Gefängnissen bleibt das Problem, dass die Aufseher vor allem mit psychisch kranken Häftlingen kaum umzugehen wissen. Mit gravierenden Folgen, wie Staatsanwalt Bharara für Rikers Island feststellt. Es sei eine gebrochene Institution - und eine solche werde gebrochene Menschen hervorbringen.

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KOMMENTARE

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fathaland slim 19.08.2015 • 11:58 Uhr

11:21, Bundeswehropa

"Wie es im Artikel steht, ist der Mann nicht an Schlägen, sondern durch die Erregung an einem Herzinfarkt verstorben! Tod durch Herzinfarkt, das ist für mich noch kein Todesopfer rassistischer Gewalt! Denn wo will man denn da noch die Grenze ziehen! Beispiel: Ertappter Ladendieb erleidet bei seiner Verhaftung einen Herzinfarkt und stirbt! Wo beginnt und endet die für den Tod verantwortliche Polizeigewalt!" Der Mann wurde offensichtlich zusammengeschlagen und eine Treppe heruntergeschleift. Ist so etwas bei der Verhaftung von ertappten Ladendieben üblich? P.S. Irgendwas scheint mit Ihrer Tastatur nicht in Ordnung zu sein. Ganz egal welches Satzzeichen am Ende eines Satzes sinnvoll wäre, ob Punkt oder Fragezeichen, es erscheint immer das Ausrufezeichen.