Ein Mann sitzt vor einem eingestürzten Beerdigungsinstitut in Les Cayes, Haiti. | dpa

Haiti Zahl der Erdbebenopfer auf 1400 gestiegen

Stand: 17.08.2021 01:16 Uhr

Nach dem schweren Erdbeben in Haiti ist die Zahl der Todesopfer auf über 1400 gestiegen. Während die verzweifelte Suche nach Überlebenden weitergeht, droht bereits die nächste Katastrophe.

Die Zivilschutzbehörde in Haiti hat die Zahl der Todesopfer nach dem schweren Erdbeben auf 1419 angehoben. Die Zahl der Verletzten stieg demnach bis Montag auf 6000. Der Zivilschutz bemühe sich, die vorhandenen Ressourcen an die am schwersten betroffenen Orte zu schaffen, sagte Behördenleiter Jerry Chandler. Er verwies auf die Gebiete Cayes, Jeremie und Nippe im Südwesten des Landes.

Die Erdstöße am Samstag hatten eine Stärke von 7,2 und lösten auch Erdrutsche aus. Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte etwa 125 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Mehr als 7000 Wohnhäuser wurden bei dem Beben nach offiziellen Angaben zerstört und fast 5000 beschädigt, darunter Krankenhäuser, Schulen, Büros und Kirchen. Rund 30.000 Familien wurden obdachlos.

Tropensturm könnte für weitere Zerstörungen sorgen

Die Zerstörungen könnten noch zunehmen, weil für Montagabend (Ortszeit) das tropische Tiefdruckgebiet "Grace" in Haiti erwartet wurde. Es könnte mit schweren Regenfällen Überschwemmungen und Erdrutsche auslösen.

In der schwer zerstörten Stadt Les Cayes gruben sich Einsatzkräfte und Altmetallsucher durch die Trümmer eines eingestürzten Hotels, aus dem bereits 15 Leichen geborgen worden waren. Unter dem Schutt wurden weitere Opfer vermutet, die Chance noch Überlebende zu finden, galt jedoch als gering. Drei Tage nach dem Beben strömten noch immer Verletzte in das völlig überlastete Krankenhaus von Les Cayes.

Patienten warten auf Treppenstufen, in Fluren und auf der offenen Veranda auf eine Behandlung. Der Arzt Paurus Michelete sagte, Schmerzmittel und Metallklammern zur Behandlung von Brüchen gingen zur Neige. "Wir sind nicht mehr aufnahmefähig, und es kommen immer weiter Leute."

Immer mehr Krisen in Haiti

Die Exekutivdirektorin des Kinderhilfswerks Unicef, Henrietta Fore, sagte, viele Betroffene müssten dringend medizinisch versorgt werden und bräuchten sauberes Wasser sowie ein Dach über dem Kopf. Haiti hatte bereits 2010 ein ähnlich schweres Erdbeben erlebt, bei dem im dicht besiedelten Großraum der Hauptstadt Port-au-Prince und anderswo bis zu 300.000 Menschen ums Leben kamen.

Es folgten Wirbelstürme wie Hurrikan "Matthew" 2016 und politische Instabilität, die in der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Juli ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Zudem treiben rivalisierende Verbrecherbanden in vielen Gegenden ihr Unwesen und machen es auch schwierig, in einige der Erdbebengebiete zu gelangen, wie ein örtlicher Unicef-Sprecher sagte. Hinzu kommt die Coronavirus-Pandemie - Haiti hat bislang erst 500.000 Impfdosen erhalten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. August 2021 um 17:00 Uhr.