Soldaten von General Haftar bei einer Parade. | Bildquelle: AFP

Konflikt in Libyen General befiehlt Vormarsch auf Tripolis

Stand: 05.04.2019 04:16 Uhr

Zuletzt brachte der libysche General Haftar mit seinen Truppen mehrere Ölquellen unter Kontrolle. Jetzt folgt der Marsch auf Tripolis. Die internationale Gemeinschaft fürchtet eine Eskalation des Konfliktes.

Der libysche General Chalifa Haftar hat seinen Truppen befohlen, zur Hauptstadt Tripolis zu marschieren. Eine entsprechende Tonaufnahme wurde im Internet veröffentlicht.

Haftar, der das Kommando über die sogenannte Libysche Nationalarmee im Osten des Landes hat, sprach von einem "siegreichen Marsch" seiner Truppen, um "den Boden unter den Füßen der unrechtmäßigen Menge zu erschüttern". Er sagte:

"Wir kommen, Tripolis, wir kommen."

Haftar rief seine Soldaten auf, in Tripolis friedlich einzumarschieren und ihre Waffen nur gegen diejenigen zu erheben, "die Ungerechtigkeit suchen und Konfrontation und Kampf bevorzugen". Er befahl den Soldaten, nicht das Feuer auf Zivilisten zu eröffnen. "Wer auch immer die weiße Flagge hisst, ist sicher", sagte er. Die 50 Kilometer von Tripolis entfernte Stadt Gharjan haben seine Verbände bereits ohne große Kämpfe eingenommen.

Chalifa Haftar
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General Haftar: Marsch auf Tripolis befehligt

Chaos in Libyen

In dem nordafrikanischen Land herrscht seit der Militärintervention der NATO und dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi Chaos. Als wichtigste Kontrahenten stehen sich Haftar und die international anerkannte Regierung von Fayez al-Sarraj in Tripolis gegenüber. Die Regierung in Tripolis hat allerdings weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle.

Haftar unterstützt mit seinen Truppen eine Gegenregierung, die im Osten Libyens herrscht. Unterstützt wird er von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Russland. In den vergangenen Monaten waren Haftars Truppen von Osten bis an die Grenze zu Algerien im Westen Libyens vorgerückt. Sie brachten unter anderem Ölquellen unter ihre Kontrolle.

Am Mittwochabend hatte Haftars LNA angekündigt, sich auf eine Offensive im Westen des Landes vorzubereiten, um das Land von "Terroristen und Söldnern" zu säubern.

Haftar und al-Sarraj hatten sich mehrfach zu Wahlen bekannt, zuletzt im Februar bei eine Treffen in Abu Dhabi. Die UN sprachen von einem Termin in diesem Jahr, ein konkretes Datum gibt es aber bisher nicht.

Internationale Besorgnis

Die Ankündigung Haftars löst nun international Besorgnis aus. Die USA und mehrere Verbündete warnten vor einer militärischen Eskalation und drohten mit Konsequenzen. In einer Mitteilung der USA, der VAE und anderer Staaten hieß es, die Gewalt drohe Libyen "zurück ins Chaos zu treiben". Man stehe gemeinsam hinter dem UN-Sondervermittler Ghassan Salame. Alle Akteure in Libyen sollten konstruktiv mit Salame zusammenarbeiten.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich bei einem Besuch in dem nordafrikanischen Land besorgt über die Militäroperation. Über Twitter erklärte er, es gebe für den Konflikt keine militärische Lösung. "Nur ein innerlibyscher Dialog kann die libyschen Probleme lösen", schrieb er. Er rief die Konfliktparteien zu Ruhe und Zurückhaltung auf.

Für eine für diesen Monat geplante Friedenskonferenz zwischen den Konfliktparteien sei Deeskalation erforderlich. "Unter diesen Umständen kann es keine nationale Konferenz geben", sagte Guterres.

In Washington wurde eine gemeinsame Erklärung der USA, Frankreichs, Italiens, Großbritanniens und der Vereinigten Arabischen Emirate veröffentlicht. "Unsere Regierungen sind gegen jede militärische Aktion in Libyen und werden jedwede libysche Fraktion zur Rechenschaft ziehen, die weiteren Konflikt hervorruft."

Vormarsch von Haftar-Truppen in Libyen
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
05.04.2019 06:50 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. April 2019 um 22:15 Uhr.

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