Einsatzkräfte bei den Bränden in Kalifornien | Bildquelle: AP

Brände in Kalifornien Häftlinge im Kampf gegen die Feuer

Stand: 17.08.2018 10:19 Uhr

Rund ein Viertel der Einsatzkräfte, die in Kalifornien gegen die Brände kämpfen, sind Gefängnisinsassen. Es ist ein gefährlicher Job, der schlecht bezahlt wird. Mancher spricht von "moderner Sklaverei".

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Östlich von Los Angeles brennt das "Valley Fire", südlich der Stadt das "Holy Fire". Im Norden des Bundesstaates wüten mindestens acht große Brände, darunter das als "Mendocino Complex" bekannte Feuer - das größte in der Geschichte Kaliforniens.

Unter den Tausenden Einsatzkräften, die die Flammen bekämpfen, sind auch Gefängnisinsassen. Sie machen rund ein Viertel derjenigen aus, die eingesetzt werden, um die Feuer aufzuhalten und zu löschen. Von den Anwohnern werden sie "Engel in Orange" genannt - wegen ihrer auffälligen Kleidung.

Das Programm gibt es seit 1946, es ist bis heute umstritten. Denn der Job ist anstrengend und gefährlich, bestätigt Jeffrey Auzenne von der Gefängnisbehörde Kaliforniens: "Sie blicken der Gefahr jeden Tag ins Auge. Alles ist möglich. Selbst wenn sie nur Patrouille laufen, können sie ausrutschen und den Berg runterstürzen."

Ein Berghang glüht nach den Waldbränden in Clearlake Oaks in Kalifornien. | Bildquelle: dpa
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Ein Berghang glüht nach den Waldbränden in Clearlake Oaks.

Zwei Gefangene starben

Im vergangenen Jahr starben zwei Strafgefangene, die bei der Waldbrandbekämpfung mithalfen. Angehörige von Gefängnisinsassen haben im Fall eines Unfalls nicht das gleiche Anrecht auf finanzielle Hilfe wie Angehörige von Feuerwehrmännern, die in den USA relativ gut bezahlt werden.

David Fathi, Leiter des National Prison Project der US-Bürgerrechtsorganisation ACLU, sieht darin nur eines von vielen Problemen. "Gefangene, die bei der Brandbekämpfung mitarbeiten, sind eine verwundbare Gruppe", sagt er im Radiosender WBUR. "Sie können keine Gewerkschaft bilden, sich nicht einfach einen neuen Job suchen, bekommen keinen Mindestlohn. Und wenn ihnen etwas zustößt, genießen sie in den meisten Bundesstaaten nicht den Schutz einer Berufsunfallversicherung." Fathi findet: Strafgefangene sollten zumindest die gleichen Absicherungen bekommen.

Verdienst: zwei Dollar pro Tag plus Zulagen

Nur Männer und Frauen, die wegen kleinerer Delikte einsitzen, können sich für das Programm bewerben. Sie müssen einen Fitnesstest bestehen und bekommen drei Wochen Training, dann leben sie in einem sogenannten Fire Camp. Sie verdienen rund zwei Dollar pro Tag plus einen Dollar pro Stunde an Tagen, an denen sie aktiv an Löscharbeiten beteiligt sind. Mehr, als es für andere Arbeit im Gefängnis gibt - aber weitaus weniger, als ein Feuerwehrmann bekommt.

Insasse Jeffrey nennt das "moderne Sklaverei". Auch Insasse Alejandro Rangel hat sich für den Löschdienst gemeldet. Schließlich kann man mit der Arbeit auch seine Haftzeit verkürzen - ein weiterer Anreiz für Häftlinge. "Als ich herkam, konnte ich nichts", sagt er. "Dann kam ich ins Fire Camp und habe Gefallen an dem Job gefunden. Es ist toll, anderen zu helfen. Ich hoffe, dass ich weitermachen kann, wenn ich wieder draußen bin."

Doch hier gibt es das nächste Problem: Nicht jeder Bundesstaat erlaubt ehemaligen Strafgefangenen, diesen Berufszweig zu wählen.

Häftlinge bei der Brandbekämpfung in Kalifornien
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
17.08.2018 09:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 17. August 2018 um 09:47 Uhr.

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