Amy Gutmann | REUTERS
Porträt

Amy Gutmann Neue US-Botschafterin mit deutscher Geschichte

Stand: 30.06.2021 18:00 Uhr

Sie soll US-Botschafterin in Berlin werden: Amy Gutmann. Die Politikwissenschaftlerin mit deutschen Wurzeln kennt US-Präsident Biden seit Jahren. Die Geschichte ihrer Familie hat sie zur Kämpferin werden lassen.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

"Ich heiße Amy Gutmann und ich bin die Erste." Sie sei die erste in ihrer Familie gewesen, die eine Hochschule besuchen konnte, erzählt die 71-jährige Gutmann Studierenden in einem Begrüßungsvideo. Sollte sie amerikanische Botschafterin in Deutschland werden, schafft sie eines nicht mehr: die am längsten dienende Universitätsprofessorin in der Geschichte der USA zu werden.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Seit 17 Jahren führt sie die University of Pennsylvania, in dieser Zeit hat sie Milliarden an Spenden gesammelt. Mit einem erheblichen Teil wurden Stipendien für Studierende bezahlt, die sich sonst diese Eliteuniversität nicht leisten könnten.

"Es zahlt sich aus, hoch zu zielen", sagt Gutmann. "In der Penn ist eine von acht Studierenden die erste Generation an einer Universität."

Unterstützung von Biden

US-Präsident Joe Biden und Gutmann kennen sich seit vielen Jahren. Zwei seiner Kinder und eine Enkelin haben an ihrer Uni ihren Abschluss gemacht. Und Gutmann war es, die ihm die Ehrendoktorwürde verlieh. Universitäten müssten der Ort für politischen Diskurs sein, dafür hat Gutmann gearbeitet und hierfür Bidens Unterstützung gehabt.

"Während Nationen immer häufiger nach innen schauen, glauben wir daran, dass es extrem wichtig ist, nach außen zu schauen," sagt Gutmann in einem Werbevideo für das "Penn Biden Zentrum für Diplomatie und weltweites Engagement" - ein Ableger der Universität in Washington.

Kämpferin für eine offene Gesellschaft

Die Geschichte ihrer Familie hat Gutmann geprägt, sie zu einer Kämpferin für Gerechtigkeit und eine offene Gesellschaft werden lassen: "Mein Vater ist aus Nazi-Deutschland geflohen und hat seine ganze Familie vor der Vernichtung gerettet."

Kurt Gutmann, ein orthodoxer Jude, stammte aus Feuchtwangen und floh 1934 aus Deutschland. Einer Biographie zufolge bekam er kein Asyl in den USA, er brachte deshalb die gesamte Familie nach Indien, baute dort ein Unternehmen auf und wanderte nach dem Krieg in die USA ein.

Protest gegen Rassismus: Sie war dabei

Als der ehemalige US-Präsident Donald Trump Menschen aus bestimmten Ländern die Einreise verbot, war das für Gutmann ein Anlass für öffentlichen Protest. Mit dem Megaphon in der Hand sprach sie sie draußen vor der Universität zu den versammelten Mitarbeitenden:

"Wir drängen Präsident Trump, den schrecklichen Schaden zu beseitigen, den seine Anordnung verursacht hat."

Gutmann hat unter anderem über ethische Gesellschaftsfragen geforscht und geschrieben, gleichzeitig nach den praktischen Konsequenzen gefragt. Als Studierende sich zum Protest gegen rassistische Polizeigewalt vor die Universität legen, lässt sie das Gelände nicht räumen, sondern legt sich dazu. Dafür bekommt sie viel Kritik von der Polizei.

Den Studierenden gibt sie bei der Abschlussfeier im Mai mit auf den Weg: "Wenn wir uns alle zusammentun, um Rassismus zu bekämpfen, machen wir so klar, wie es nur geht: Jeder von uns kann das nur überwinden, wenn es für alle überwunden wird."

Noch ist Gutmann nicht offiziell als Botschafterin in Deutschland nominiert. Und der Senat muss dem dann zustimmen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Juni 2021 um 09:13 Uhr.