António Guterres 2011 bei einem Besuch in Somalia | Bildquelle: AP

Porträt António Guterres Der pragmatische Utopist

Stand: 06.10.2016 01:13 Uhr

Der künftige UN-Generalsekretär António Guterres ist ein rhetorischer Vollprofi. Aber er ist auch jemand, der nicht nur Worte schwingt, sondern bereits angepackt hat bei der Bekämpfung von Elend. Sein Ziel: Populisten und Rassisten Demut lehren.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

"Pragmatischer Utopist." So haben sie den portugiesischen Sozialisten, gelernten Elektroingenieur, Berufspolitiker und Menschenfreund António Guterres einmal genannt. Und dieser 67 Jahre alte Guterres, ein rhetorisch beschlagener Vollprofi auf dem allzu glatten internationalen Parkett, weiß stets sehr genau, was die Welt, die ihn jetzt als Generalsekretär wählen soll, gerne hört.

Entsprechend fiel bei seiner Bewerbung in New York auch die Beschreibung aus, wie er die Rolle eines UN-Generalsekretärs interpretieren will: "Mit Demut auftreten, ohne Arroganz, ohne irgendwem Lektionen zu erteilen, aber als Vermittler, als Katalysator agieren. Als ehrlicher Makler und Brückenbauer und als Stimme für Frieden."

Er hat das Elend gesehen und erlebt

Niemand mochte da widersprechen. Die 193 Nationen schienen beeindruckt. Zehn Jahre war Guterres UN-Hochkommissar für Flüchtlinge. Er kennt die UN und die UN kennen ihn. Er hat das Elend gesehen und erlebt. Darunter gelitten, hilflos zu sein, angewiesen auf eine Politik, die, so sagt er, am Ende die Lösung für jede humanitäre Katastrophe finden müsse.

"Ich hatte die Chance, den Ärmsten der Armen zu dienen", sagt er über sich. Das sei ein Privileg, "aber auch ein furchtbarer Frust, weil es keine Lösung für das Leid der Flüchtlinge gab. Die muss stets die Politik liefern."

Über 60 Millionen Flüchtlinge gibt es auf der Welt. Und nun einen künftigen UN-Generalsekretär, der zehn Jahre an vorderster Front als UN-Hochkommissar eben jenen Menschen helfen wollte. Guterres selbst fand und findet: Der beste Job, um die Ursachen allen menschlichen Leids zu bekämpfen, sei der Job, den er haben will - UN-Generalsekretär. Deshalb sei er Kandidat geworden.

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Die UN-Generalsekretäre von 1945 bis heute

António Guterres

António Guterres ist der neue UN-Generalsekretär. Das Mandat des Portugiesen gilt zunächst für fünf Jahre. Guterres ist der neunte Generalsekretär der 71-jährigen Geschichte der Vereinten Nationen. | Bildquelle: AFP

Keine Angst, sich den Mächtigen der Welt entgegenzustellen

Jetzt ist er fast am Ziel. Heute ist die formale Abstimmung im Sicherheitsrat. Dann - eher eine Formalie - die Wahl per Beifallsbekundung durch die Generalversammlung der Weltgemeinschaft. Menschenrechtler jubeln schon jetzt. Dieser Guterres, sagt Simon Adams von der Organisation "Responsability to Protect", sei eine fantastische Lösung für die Welt und die Menschenrechte: "Er ist einer, der keine Angst hat, sich den Mächtigen der Welt entgegenzustellen. Eine eher seltene Qualität für einen UN-Generalsekretär."

Als junger Mann hat Guterres in der katholischen Studentenbewegung in den Slums von Lissabon Helfen und Demut gelernt. Als UN-Generalsekretär will er nach eigenen Worten den Populisten und Rassisten dieser Welt diese Demut lehren: "Politischen Populismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und radikalen Extremismus benennen und besiegen - dafür habe ich mein Leben lang gestanden."

Er war Vorsitzender der Sozialistischen Internationale, hat als UN-Flüchtlingskommissar Unternehmen wie Microsoft und Nike als Großspender eingeworben. Darauf, dass die Weltgemeinschaft nach neun Männern eigentlich eine Frau an der Spitze sehen wollte, reagierte Guterres auf seine Art: Er sei ja erkennbar keine Frau, räumte er ein, versprach aber, er werde die Hälfte aller Spitzenpositionen mit Frauen besetzen.

Ab dem 1. Januar muss der Mann, der privat gern Opern hört, jetzt liefern. Aber eines hat er der Weltgemeinschaft auch mit auf den Weg gegeben: Der UN-Generalsekretär sei vieles, aber nicht der Oberbefehlshaber der Vereinten Nationen: "Alle UN-Gremien müssen künftig besser kooperieren als bisher." Der sich zuletzt stets selbst blockierende Sicherheitsrat wird auch das mit Interesse gehört haben. Die nächsten fünf Jahre der Vereinten Nationen versprechen spannend zu werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 06. Oktober 2016 um 07:11 Uhr

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