Der rechtskonservative Präsidentschaftskandidat Alejandro Giammattei bei einer Wahlkampfveranstaltung in Guatemala-Stadt | Bildquelle: AP

Präsidentenwahl in Guatemala Ultrakonservativer gegen Linksliberale

Stand: 11.08.2019 02:23 Uhr

In Guatemala findet die Stichwahl um das Präsidentenamt statt. Der Konservative Giammattei gilt als Favorit. Er tritt gegen die Linksliberale Torres an. Bestimmendes Thema im Wahlkampf: ein Asylabkommen mit den USA.

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Das neue Asylabkommen, das der scheidende Präsident Jimmy Morales mit US-Präsident Donald Trump geschlossen hat, ist wohl das einzige Thema, bei dem sich beide Präsidentschaftskandidaten einig sind. Die Sozialdemokratin Sandra Torres und Alejandro Giammattei lehnen es strikt ab.

Sozialdemokratin Sandra Torres bei einem Wahlkampfauftritt in einem Vorort von Guatemala-Stadt | Bildquelle: REUTERS
galerie

Die Sozialdemokratin Torres will neue Präsidentin Guatemalas werden - und dann Armut mit Sozialprogrammen bekämpfen.

Der ultrakonservative Kandidat erklärte bereits im Vorfeld auf einer Wahlkampfveranstaltung: "Die Regierung macht einen großen Fehler. Wie kann sie mit einem solchen Abkommen das Volk derart verpflichten, ohne dass die Konditionen bekannt sind? Es geht darum, Lösungen zu finden - und nicht darum, Probleme zu schaffen."

Das Land könne ja nicht mal die Sicherheit der eigenen Landsleute garantieren, die anderer dann noch weniger, so Giammattei. Nach der neuen Regelung - sollte sie in Kraft treten - müssten Salvadorianer und Honduraner, die eigentlich in die USA wollen und dabei zwangsläufig das mittelamerikanische Land queren, in Guatemala Asyl beantragen.

Asylabkommen "hinter dem Rücken der Bevölkerung"

Auch Torres kritisierte die mangelnde Transparenz. "Es ist völlig unklar, was dieses Abkommen beinhaltet. Die Regierung hat das hinter dem Rücken der Bevölkerung gemacht."

Das neue Asylabkommen löste im ganzen Land Proteste aus. "Hier gibt es keine Arbeit. Und was machen die Migranten dann hier - und wo sollen sie überhaupt unterkommen?", fragt eine Passantin. "Sie werden uns die Arbeit und das Wenige wegnehmen, was wir haben", sagt ein Mann.

Guatemala wählt neuen Präsidenten
tagesschau 20:00 Uhr, 11.08.2019, Stefanie Dodt, ARD Mexiko-Stadt

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Für den Ombudsmann für Menschenrechte, Jordán Rodas, könnte das Asylabkommen für die USA auch nach hinten losgehen. "Das wäre eine soziale Katastrophe und würde sicherlich nicht die Migration stoppen. Es gäbe weniger Arbeit, weniger Gesundheit, weniger Bildung. Das würde einen Bumerang-Effekt kreieren - für Trump hieße das mehr Migration als heute."

 

Auswanderung zentrales Thema

Das Thema Migration prägte den Wahlkampf. Tausende Guatemalteken verließen in den vergangenen Monaten das Land. Viele werden mit der verschärften Migrationspolitik der USA und nun auch Mexikos schnell wieder abgeschoben - im ersten halben Jahr waren es laut offiziellen Zahlen mehr als 60.000 Menschen.

Ähnlich wie in den Nachbarländern El Salvador und Honduras leidet das Land unter der Gewalt der Jugendbanden und der Straflosigkeit. Rund 60 Prozent der über 17 Millionen Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze.

Beide Kandidaten versprachen ihren Wählern, die Auswanderung in die USA zu stoppen. Der konservative Giammattei will hart durchgreifen. Er kündigte an, die Korruption zu bekämpfen und sich sogar für die Wiedereinführung der Todesstrafe im Kampf gegen bewaffnete Banden einzusetzen.

In einem Vorort von Guatemala-Stadt sind Wahlplakate zu sehen, die die Kandidaten Sandra Torres (links) und Alejandro Giammattei zeigen. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Wer macht das Rennen? Wahlplakate zeigen Sandra Torres und Alejandro Giammattei.

"An der Lebensqualität arbeiten"

Die Sozialdemokratin Torres will die Armut mit Sozialprogrammen bekämpfen: "Der Unterschied zwischen dem Einkommen, das ein Guatemalteke hier verdient im Vergleich zu dem, was er in den USA erwirtschaften kann, ist sehr groß. Die Leute wollen ein besseres Leben. Deswegen müssen wir an der Lebensqualität der Menschen arbeiten."

Beide Kandidaten gelten als umstritten. Gegen die Sozialdemokratin Torres wird wegen illegaler Wahlkampffinanzierung ermittelt. Giammattei saß 2007 wegen eines brutalen Einsatzes während seiner Zeit als Chef der Gefängnisverwaltung vorübergehend im Gefängnis. Er wurde jedoch freigesprochen.

Rund acht Millionen Guatemalteken können heute ihre Stimme abgeben. Viele hoffen, dass sich mit der nächsten Regierung etwas ändert. "Es darf nicht nur darüber geredet, es müssen Dinge in die Tat umgesetzt werden. Warum sollen wir wählen, wenn es am Ende weitergeht wie vorher?", so eine Frau. Ein Mann sagt: "Es gibt Korruption, es gibt viel Mord und Totschlag. All das muss sich ändern, das ist schwierig. Hoffentlich wird die nächste Regierung das in Angriff nehmen."

Stichwahl um Präsidentenamt in Guatemala
Anne Demmer, ARD Mexiko-Stadt
10.08.2019 23:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 11. August 2019 die tagesschau um 04:57 Uhr und MDR Aktuell um 09:13 Uhr.

Darstellung: