Zäune, Stacheldraht und ein Aussichtsturm auf dem Gelände des US-Gefangenenlagers Guantanamo | REUTERS

Nach 20 Jahren Haft Algerier aus Guantanamo entlassen

Stand: 03.04.2022 02:36 Uhr

2008 hatte das Pentagon die Vorwürfe gegen Sufiyan Barhoumi fallen lassen - nun ist der Algerier nach fast 20 Jahren im US-Gefangenenlager Guantanamo in seine Heimat abgeschoben worden. Damit sind noch 37 Häftlinge in dem Lager.

Ein algerischer Häftling ist aus dem berüchtigten US-Gefangenenlager Guantanamo entlassen worden. Nach fast 20 Jahren außergerichtlicher Haft schoben die USA Sufiyan Barhoumi in seine Heimat ab. Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, damit werde eine Empfehlung des zuständigen Überprüfungsgremiums umgesetzt. Das Gremium habe bereits im August 2016 festgestellt, dass Barhumis Inhaftierung "zum Schutz vor einer anhaltenden erheblichen Bedrohung der nationalen Sicherheit" der USA nicht mehr erforderlich sei.

Die Überstellung sei in Abstimmung mit den algerischen Behörden erfolgt. Der US-Kongress sei informiert gewesen, hieß es in der Mitteilung weiter.

Pentagon ließ 2008 Anschuldigungen fallen

Nach US-Medienberichten war Barhoumi nach seiner Festnahme in Pakistan im Juli 2002 nach Guantánamo gebracht worden. Ihm war vorgeworfen worden, als Ausbilder in einem Al-Kaida-Lager tätig gewesen zu sein. Doch bereits 2008 hatte das Pentagon die Anschuldigungen gegen ihn fallen lassen.

Laut Verteidigungsministerium sind damit noch 37 Gefangene in Guantánamo. Für 18 von ihnen haben die US-Behörden eine Freilassung genehmigt. Anderen Häftlingen wie dem mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von 9/11, Khalid Sheikh Mohammed, soll der Prozess gemacht werden.

Insgesamt warenn zeitweise fast 800 Menschen in dem umstrittenen Gefangenenlager auf Kuba inhaftiert, das auf dem US-Marinestützpunkt Guantánamo Bay liegt. Das Camp war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush errichtet worden, um mutmaßliche islamistische Terroristen ohne Prozess festzuhalten.

Republikaner im Kongress gegen Schließung

Im Laufe der Jahre wurde Guantanamo für die US-Regierung aber immer mehr zu einer Belastung: Das Lager und die dortigen Sondertribunale wurden zum Sinnbild für die Exzesse des Anti-Terror-Kampfes der USA.

Der frühere Präsident Barack Obama versuchte in seiner Amtszeit vergeblich, das Lager zu schließen. Dieses Ziel hatte auch US-Präsident Joe Biden nach seiner Amtsübernahme Anfang vergangenen Jahres ausgegeben. Auch er hat dabei aber bislang keine Fortschritte gemacht. Besonders unter Republikanern im US-Kongress regt sich erbitterter Widerstand gegen eine Schließung, die Menschenrechtsorganisationen seit langem fordern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. April 2022 um 02:00 Uhr und 07:00 Uhr in den Nachrichten.