London nach der Wahl

Prognose nach Unterhauswahl Camerons Tories klar vor Labour

Stand: 08.05.2015 01:42 Uhr

Prognose mit Paukenschlag: Überraschend deutlich gewinnen demnach die konservativen Tories von Premier Cameron die britische Parlamentswahl. Labour ist geschlagen. Zum Alleinregieren reicht es für die Tories aber nicht. Ganz stark schneidet die schottische Nationalpartei ab.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Punkt 22 Uhr britischer Zeit (23 Uhr MEZ) schlossen die Wahllokale - und Punkt 22 Uhr mit dem Glockenschlag von Big Ben veröffentlichte die BBC ihre Prognose zum Ausgang dieser Parlamentswahl: Demnach gehen erneut die Konservativen als Sieger aus der Abstimmung hervor.

Es ist ein Paukenschlag: 316 Mandate für die Konservativen, deutlich mehr als in den Umfragen vorhergesagt - und sogar nur knapp an einer absoluten Mehrheit vorbei. Die oppositionelle Labour Partei dagegen verliert demnach noch einmal und käme auf nur noch 239 Mandate.

Hoch erfreut über die Vorhersage ist verständlicherweise der Fraktionsvorsitzende der Konservativen im Unterhaus, Michael Gove. "Wenn die Prognosen stimmen, heißt das, dass die Konservativen klar gewonnen haben", sagte Michael Gove, ein enger Vertrauter Camerons, im BBC-Fernsehen. Das sei ein Vertrauensbeweis für Premierminister David Cameron, sagt Gove.

Schwierige Koalitionsbildung

Allerdings kann Cameron - nach jetzigem Stand - wie schon vor fünf Jahren nicht allein regieren. Anbieten für ein Bündnis würde sich der bisherige Koalitionspartner, die Liberaldemokraten. Die sind laut Prognose auf magere zehn Sitze zusammengeschrumpft. Rechnerisch würde es für die beiden reichen, wenn auch nicht mit einer komfortablen Mehrheit.

"Die Koalitionsbildung wird diesmal nicht so einfach wie 2010", prophezeit Politologe Tony Travers von der London School of Economics.

Auszählung der Stimmen
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Jetzt wird ausgezählt

Die europäischen Partner können sich darauf einstellen, dass die Briten nun vor Ende 2017 über die weitere Mitgliedschaft des Landes in der EU abstimmen werden. Dies hatte Premier Cameron den Wählern versprochen, und dazu wird es nun voraussichtlich kommen.

Labour verliert vor allem in Schottland

Für die Labour Partei dürfte die Prognose ein herber Schock sein und die Tage von Spitzenkandidat Ed Miliband als Parteichef gezählt. Parteivize Harriet Harman klammert sich noch an die Hoffnung, dass es knapper wird als die Prognose vorhersagt. "Wir wissen einfach nicht, ob die Prognose stimmt. Aber wir wissen, dass es ein knappes Rennen ist."

Stimmt die Prognose doch, dann hat Labour diese Wahl auch und vor allem in Schottland verloren, traditionell ihre Hochburg. Denn dort gewinnt die schottische Nationalpartei SNP demnach 58 von 59 Sitzen. Zum Vergleich: Bislang ist sie mit nur sechs Mandaten in Westminster vertreten. Der Mobilisierungseffekt des gescheiterten Unabhängigkeitsreferendums hält an und hat der SNP scharenweise Wähler zugeführt. SNP-Politiker Humza Yousaf will aber nicht triumphieren, sondern mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben. Auch Parteichefin Nicola Sturgeon rief die SNP-Anhänger angesichts der für die Partei überwältigenden Prognosen zunächst zur Zurückhaltung auf.

Jubel bei der schottischen Nationalpartei und ihrer Chefin Nicola Sturgeon
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Jubel bei der schottischen Nationalpartei und ihrer Chefin Nicola Sturgeon

Was wird aus Nick Clegg und Nigel Farage?

Als ausgemachte Sache gilt, dass Cameron seinen Wahlkreis Witney in der Nähe von Oxford erneut gewinnt - und ebenso, dass Miliband sein Mandat in Doncaster in Nordendgland behält. Spannend wird aber, ob der bisherige Vize-Premierminister, Nick Clegg von den Liberaldemokraten, seinen Sitz in Sheffield verteidigen kann. Wenn nicht, dann dürfte seine politische Karriere beendet sein.

Ein anderer interessanter Wahlkreis liegt im Südosten Englands: Dort will der Chef der Anti-EU-Partei UKIP Nigel Farage endlich ins Unterhaus einziehen; sollte dies dem Rechtspopulisten nicht gelingen, dann will er zurücktreten. Die Prognose sagt UKIP zwei Mandate voraus.

Das britische Mehrheitswahlrecht kennt keine Zweitstimme, die über die Zusammensetzung des Parlaments entscheidet. Hier haben die Wähler nur eine Stimme für den Kandidaten in ihrem Wahlkreis - vergleichbar der deutschen Erststimme. Daher gibt es nach der Prognose keine weiteren Hochrechnungen. In den 650 Wahlkreisen zählen nun die Wahlhelfer die Stimmen aus: Die meisten Ergebnisse werden bis 6 Uhr morgens eingetrudelt sein, einige kommen aber auch erst am Mittag.

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