Kühe grasen vor dem Fracking-Projekt des Energieunternehmens Cuadrilla bei Preston New Road nahe Blackpool. | Bildquelle: AFP

Erdbeben-Gefahr Großbritannien stoppt Fracking

Stand: 02.11.2019 11:26 Uhr

Lange Zeit hatte die konservative Regierung in Großbritannien auf die umstrittene Gasförderung gesetzt. Kurz vor der Neuwahl erfolgt nun die Kehrtwende: Angesichts der Gefahr von Erdstößen werden alle Fracking-Projekte im Land ausgesetzt.

90 Billionen Kubikmeter. So gewaltig ist das Gasvorkommen in Preston New Road in der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire nach Schätzungen des British Geological Survey. Großbritannien könnte damit theoretisch seinen Gas-Bedarf der nächsten mehr als 1000 Jahre decken.

Doch aus der Förderung wird nun nichts. Wegen der Gefahr von Erdstößen setzt die britische Regierung das sogenannte Fracking zur Gewinnung von Schiefergas aus der Erde bis auf weiteres aus. Energieministerin Andrea Leadsom erklärte, sie habe auf Grundlage eines Berichts der für die Öl- und Gasförderung zuständigen Aufsichtsbehörde OGA ein Fracking-Moratorium verfügt.

Proteste gegen ein Fracking-Projekt in Preston New Road | Bildquelle: AFP
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Schon seit Jahren gibt es gegen das Fracking-Projekt in Preston New Road Widerstand - hier ein Bild von 2015.

Die OGA hatte die seismischen Aktivitäten in der Nähe eines Fracking-Gebiets in Preston New Road untersucht. Und nach Prüfung des vorgelegten Berichts sei klar, "dass wir weitere inakzeptable Konsequenzen für die örtliche Bevölkerung nicht ausschließen können", erläuterte Leadsom ihre Entscheidung. Das Moratorium gelte mit sofortiger Wirkung. Und solange es keine neuen überzeugenden Beweise für die Unbedenklichkeit der Fördermethode gebe, werde die britische Regierung keine neuen Fracking-Projekte bewilligen.

Das Moratorium durch die konservative Regierung kommt nur kurz vor der Neuwahl am 12. Dezember und ist eine bedeutende Wende. Premierminister Boris Johnson war stets als überzeugter Befürworter der Methode aufgetreten. Die oppositionelle Labour Partei hatte hingegen versprochen, im Falle eines Wahlsieges Fracking zu verbieten.

Umstrittene Fördermethode

Beim Fracking wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien unter Druck in Gesteinsschichten gepresst, die sehr fein verteiltes Gas oder Öl enthalten, das nicht frei fließen kann. Die Schichten werden auf diese Weise "aufgebrochen", um die Rohstoffe herauszudrücken. Die USA setzen seit Jahren massiv auf Fracking und sind inzwischen in der Lage, ihren Energiebedarf weitgehend selbst zu stillen. Umweltschützer befürchten unter anderem eine Verunreinigung des Trinkwassers durch die Chemikalien.

Was ist Fracking?
23.06.2016

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Die Fördermethode stößt auch bei den Bewohnern in der Umgebung von Fördergebieten auf Kritik. In einem britischen Bericht zu den Staatsausgaben wurde jüngst bemängelt, dass Fracking-Projekte hohe Kosten für die örtlichen Behörden verursachen, weil sie eine Reihe von Protesten mitsamt Verkehrsblockaden nach sich zögen und die Bohrungsstätten von der Polizei geschützt werden müssten.

Zuspruch für Fracking-Stopp

Umweltschützer und die britische Opposition begrüßten das Aus für die umstrittene Technik. "Dieser Sieg ist einer der größten, den die Klimabewegung je gesehen hat", teilte die Klimaschutzorganisation 350.org mit. Die Umweltorganisation Greenpeace forderte, den Ausbau erneuerbarer Energie aus Wind und Sonne zu beschleunigen.

Große Hoffnungen, wenig Ergebnisse

Großbritannien hatte Fracking in der Hoffnung gefördert, seine Abhängigkeit von Erdgas-Importen insbesondere aus Norwegen und Katar zu verringern. Die konservative Regierung plante noch 2016, dass es bis Mitte 2020 insgesamt 20 Förderorte geben könne. Bislang gab es allerdings nur drei Grabungen und mit der Gasförderung wurde noch nicht begonnen.

Nach einem Erdbeben der Stärke 2,9 bei Preston New Road im August wurde die einzige noch laufende Fracking-Bohrung von dem verantwortlichen Unternehmen Cuadrilla ausgesetzt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. November 2019 um 10:00 Uhr.

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