Sergej Skripal in russischer Haft (Archiv) | REUTERS
Hintergrund

Vergifteter Ex-Spion Wer ist Sergej Skripal?

Stand: 07.03.2018 10:57 Uhr

Sergej Skripal war russischer Geheimdienstoffizier, spionierte aber für den britischen Geheimdienst. Dafür wurde er in Moskau verurteilt, kam aber frei und ging nach England. Dort wurde er nun offenbar vergiftet.

Der 66-jährige Sergej Skripal ist ehemaliger Offizier des russischen Militärgeheimdienstes. Während seiner aktiven Zeit in Russland hatte der britische Geheimdienst ihn angeworben. Skripals Aufgabe war es, Informationen über die Identitäten verdeckter russischer Geheimagenten in diversen europäischen Ländern weiterzugeben. Laut russischen Medien soll er zudem kompromittierendes Material über russische Agenten gesammelt haben, um diese erpressbar zu machen.

Als Gegenleistung für seine Arbeit überwies der britische Geheimdienst MI6 ihm insgesamt mehr als 100.000 Dollar (81.000 Euro) auf ein Konto in Spanien.

Wegen Landesverrats verurteilt

2004 wurde Skripal in Russland wegen Landesverrats festgenommen - darauf stehen bis zu 20 Jahre Haft. Weil er aber mit den Behörden kooperierte, wurde er von einem Militärtribunal lediglich zu 13 Jahren verurteilt. 2010 kam er im Rahmen eines internationalen Gefangenenaustauschs vorzeitig frei und fand danach Asyl in Großbritannien. Im Gegenzug kam unter anderem die in den USA inhaftierte Anna Chapman frei - sie soll für Russland spioniert haben.

Gemeinsam mit Skripal wurde damals der Agent Igor Sutjagin begnadigt, der ebenfalls nach Großbritannien ausreiste. Befragt zu dem aktuellen Vorfall erklärte er: "Falls es eine Vergeltungsmaßnahme gegen Skripal war, ist unklar, warum sie erfolgte", sagte Sutjagin zu Radio Swoboda. Skripal habe schließlich gestanden, sei begnadigt worden und habe einen Teil seiner Strafe abgesessen. "Ich sehe keinen Grund für Rache gegen ihn", erklärte Sutjagin - auch wenn es in Russland durchaus "spezielle Dienste" gebe, die "Verräter liquidieren".

Außer seiner Tochter Julia hat Skripal keine Angehörigen mehr in Großbritannien. Seine Ehefrau starb an Krebs, der Sohn 2017 an plötzlichem Leberversagen auf einer Russland-Reise.

Erinnerungen an Litwinenko

Der Fall Skripal erinnert an den des russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko, der 2006 in London an einer Vergiftung mit radioaktivem Polonium starb. Die Substanz war ihm britischen Untersuchungen zufolge bei einem Treffen in einem Hotel in den Tee gemischt worden. Ein britischer Richter stellte 2016 fest, dass Litwinenkos Tod ein von russischen Geheimdiensten ausgeführter Mordanschlag war - wahrscheinlich mit der Zustimmung von Präsident Wladimir Putin.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 06. März 2018 um 22:15 Uhr.

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Moderation 07.03.2018 • 18:14 Uhr

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