Eine Frau mit Mundschutz in der Londoner Oxford Street | Bildquelle: WILL OLIVER/EPA-EFE/Shutterstock

Corona in Großbritannien Einschränkungen um Wochen verlängert

Stand: 16.04.2020 20:04 Uhr

In Großbritannien ist keine Lockerung der Einschränkungen in Sicht: Um mindestens drei Wochen hat die Regierung die Maßnahmen verlängert. Neue Zahlen geben wenig Anlass zu Optimismus.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat Großbritannien die Beschränkungen um mindestens drei Wochen verlängert. Eine Lockerung zum jetzigen Zeitpunkt könne sowohl die öffentliche Gesundheit als auch die Wirtschaft in Gefahr bringen, sagte Außenminister Dominic Raab, der den an Covid-19 erkrankten Regierungschef Boris Johnson vertritt. Zuvor hatte der Nationale Sicherheitsrat zum Thema getagt.

Politiker hatten bereits signalisiert, dass an eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen im Land noch nicht zu denken sei. Gesundheitsminister Matt Hancock sagte dem Sender BBC: "Für Änderungen ist es noch zu früh. Die Zahlen gehen noch nicht zurück."

Zahl der Todesfälle steigt wieder schneller

Tatsächlich steigt die Zahl der Toten im Vereinigten Königreich nach jüngsten Daten wieder schneller. Wie das Gesundheitsministerium heute bekannt gab, verzeichneten die Krankenhäuser des Landes 861 Todesopfer binnen 24 Stunden - das waren fast hundert Todesfälle mehr als am Vortag. In den vergangenen Tagen hatte sich der Anstieg der Opferzahlen noch verlangsamt.

Insgesamt starben in Großbritannien bislang 13.729 Infizierte allein in den Klinken des Landes. Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle überschritt inzwischen deutlich die Marke von 100.000.

Die Ausgangsbeschränkungen waren am 23. März verhängt worden. Die Briten dürfen ihre Wohnungen kaum noch verlassen. Erlaubt sind der Einkauf wesentlicher Dinge wie Lebensmittel und Medikamente. Alle Läden, die nicht zur Grundversorgung dienen, sind geschlossen. Sport ist nur einmal am Tag und nur mit Mitgliedern desselben Haushalts erlaubt. Versammlungen von mehr als zwei Personen sind verboten.

Vergleichsweise wenig Tests

Die Regierung hatte sich anfangs gegen härtere Maßnahmen gesträubt. Nach Ansicht von Kritikern ging so wertvolle Zeit verloren. In Großbritannien mangelt es an Tests, Beatmungsgeräten, Klinikpersonal und Schutzausrüstungen. Experten fürchten, dass es das am schlimmsten von der Pandemie betroffene europäische Land mit Blick auf die Todesrate werden könnte. Kritikern zufolge wurde der staatliche Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) kaputt gespart.

Wegen der vergleichsweise wenigen Tests, die bisher gemacht wurden, gelten die britischen Corona-Statistiken außerdem als wenig aussagekräftig. Sie enthalten vor allem nicht die vielen Opfer in Pflegeheimen.

Der erkrankte Premier Johnson erholt sich derzeit auf dem Landsitz Chequers in der Nähe von London gemeinsam mit seiner schwangeren Verlobten Carrie Symonds. Er wurde in der vergangenen Woche drei Nächte lang auf der Intensivstation behandelt, nachdem sich sein Zustand verschlechtert hatte.

Großbritannien: Keine Lockerung des Ausnahmezustands
Jens-Peter Marquardt, ARD London
16.04.2020 20:34 Uhr

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