Zwei Zapfhähne einer britischen Tankstelle sind wegen der Versorgungskrise mit Kraftstoff außer Betrieb | AP

Kraftstoff-Krise in Großbritannien Soldaten sollen Tankstellen beliefern

Stand: 02.10.2021 10:39 Uhr

Benzin und Diesel bleibt an britischen Tankstellen Mangelware. Nun soll das Militär beim Transport von Kraftstoff helfen. Doch auch auf anderen Wegen wirbt Großbritannien um mehr Lkw-Fahrer auf den eigenen Straßen.

Seit mehr als einer Woche spitzen sich die Lieferengpässe bei der Versorgung mit Kraftstoff in Großbritannien zu. Ab Montag will die britische Regierung darum die Unterstützung der Armee in Anspruch nehmen: Soldaten sollen Tankstellen mit Benzin und Diesel beliefern.

Der Regierung zufolge sollen vorerst 200 Soldaten eingesetzt werden, etwa 100 von ihnen als Lastwagenfahrer. Premierminister Boris Johnson hatte bereits zu Beginn der Woche angekündigt, das Militär in der Versorgungskrise hinzuziehen zu wollen, sollte sich die Lage nicht bessern. Nach Angaben des britischen Wirtschaftsministers Kwasi Kwarteng wurde dafür schon vor Tagen eine begrenzte Anzahl an Militärtanklaster-Fahrern in Bereitschaft versetzt.

Fahrprüfer des britischen Verteidigungsministeriums sollen außerdem vorübergehend Lkw-Fahrer ausbilden. Umschulungsprogramme sollen weitere Mitarbeiter in die Logistikbranche holen.

Erst der Brexit, dann Corona

Die massiven Engpässe bei der Kraftstoffversorgung gehen nicht etwa auf einen Mangel an Benzin und Diesel zurück. Es fehlen landesweit Tausende Lkw-Fahrer, die den Sprit zu den Tankstellen bringen. Zwischenzeitlich ging in einigen Landesteilen laut dem Branchenverband PRA bis zu 90 Prozent der Tankstellen das Benzin aus - auch weil es innerhalb der Bevölkerung zu Panikkäufen kam.

Nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU hatten viele vom europäischen Kontinent stammende Arbeitskräfte das Vereinigte Königreich verlassen. Die Corona-Pandemie verschärfte den Personalmangel noch, da die Ausbildung von neuen Fahrern ins Stocken geriet. Doch nicht nur in der Logistikbranche fehlt es an Arbeitskräften, auch in anderen Bereichen wie etwa der Viehwirtschaft mangelt es an Personal.

Großbritannien macht Ausnahmen bei Visa-Vergabe

Die britische Regierung versucht die personellen Lücken zu stopfen - mithilfe von Ausnahmeregelungen bei der Vergabe von Arbeitsvisa. Vor knapp einer Woche wurden rund 10.500 solcher Visa genehmigt: 5000 für ausländische Lkw-Fahrer und 5500 für Beschäftigte der Geflügelbranche. Doch die Visa sind zeitlich befristet und erlauben nur ein Arbeitsverhältnis bis Weihnachten. Das ist wenig attraktiv für ausländische Arbeitskräfte.

Per Brief gegen den Personalmangel

Und auch per Brief wirbt Großbritannien bei potenziellen Arbeitskräften - vor allem bei Deutschen, die im Vereinigten Königreich leben. Denn aus Deutschland stammende Autofahrer mit einem Führerschein, der vor 1999 ausgestellt wurde, dürfen unter bestimmten Bedingungen kleine Lastwagen mit einem maximalen Gewicht von 7500 Kilogramm fahren.

In dem Brief wird mit "großartigen Möglichkeiten für Lastwagenfahrer in der Logistikbranche" geworben und mit verbesserten Arbeitsbedingungen "im gesamten Sektor". "Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen sind noch nie mehr gebraucht worden als jetzt", heißt es in dem Schreiben.