Britische Zeitungen berichten von Prinz Harry und seiner Frau Meghan | Bildquelle: FACUNDO ARRIZABALAGA/EPA-EFE/REX

Harry und Meghan Ohne Rücksicht

Stand: 09.01.2020 16:33 Uhr

Goodbye Königshaus - ihren Rückzug verkündeten Prinz Harry und seine Meghan im Internet, ohne zuvor die königliche Familie zu informieren.

Eine Analyse von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Teilzeit für die jungen Royals? Das wird schwierig. Und Harry und Meghan machen es mit ihrem unabgestimmten Vorstoß noch schwieriger, eine Lösung zu finden, die den von ihnen angestrebten modernen Lebensstil mit den uralten Traditionen des britischen Hofes in Übereinstimmung bringt.

Auf der einen Seite kann man verstehen, dass ein junger Mann in den Dreißigern und seine kaum ältere Frau, die bereits eine eigene Karriere aufgebaut hat, die Fesseln des Königshauses sprengen wollen. Dass sie die eigenen Vorstellungen von der gemeinsamen Zukunft und auch der Zukunft ihres gerade geborenen Sohnes durchsetzen wollen.

Harry hat als Kind traumatisch erlebt, was das Königshaus auch im Zusammenspiel mit der erbarmungslosen britischen Presse aus Menschen machen kann. Er hat das Schicksal seiner Mutter nicht vergessen. Er leidet bis heute darunter.

Harry und Meghan bei ihrer Hochzeit am 19. Mai 2018. | Bildquelle: AP
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Harry und Meghan bei ihrer Hochzeit am 19. Mai 2018.

Die beiden wollen ihr eigenes Leben führen

Und Meghan ist in kurzer Zeit Ähnliches widerfahren: die Ausbeutung ihrer Vergangenheit und der Brüche in ihrer Familie, gepaart mit geschmacklosem Rassismus - auch wenn Meghan als Schauspielerin das Scheinwerferlicht bereits gewohnt war, gingen die Angriffe des britischen Boulevards in den vergangenen Monaten doch weit über das bisher Erlebte hinaus.

Beide, Harry und Meghan, sind nicht bereit, diese erbarmungslose Form von Öffentlichkeit zu akzeptieren. Sie wollen weder mit den Nachstellungen der Presse leben, noch den strengen Regeln des Hofes folgen. Sie wollen ihr eigenes Leben führen. Und dazu haben sie jedes Recht.

Meghan und Harry im Mai 2019 mit ihrem Sohn Archie. | Bildquelle: REUTERS
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Meghan und Harry im Mai 2019 mit ihrem Sohn Archie.

Jetzt machen sie schwere Fehler

Doch auf dem Weg dorthin machen sie jetzt schwere Fehler: Sie kündigen einen Teilrückzug aus den royalen Pflichten an. Sie wollen die Freiheit gewinnen, aber nicht die Privilegien des Königshauses verlieren.

Und der schwerste Fehler: Sie stoßen dabei die gesamte Familie vor den Kopf. Sie versuchen nicht, im Gespräch mit der Großmutter, der Queen, mit dem Vater, Prinz Charles, und mit dem Bruder, Prinz William, eine Lösung zu finden, mit der alle leben können. Eine Lösung, die ihre eigenen Ansprüche mit der Firma, dem Königshaus, in Einklang bringt.

Entscheidung ohne Rücksicht auf die Familie

Stattdessen kündigen sie ohne Rücksicht auf den Rest der Familie ein Modell der künftigen Zusammenarbeit an, das nicht funktionieren kann und nicht funktionieren wird. Sie beschädigen damit das Königshaus. Solange die Queen auf dem Thron sitzt, ist das kein existenzielles Problem für die britische Monarchie. Doch Thronfolger Charles, der sich das Ansehen und die Reputation, die seine Mutter genießt, erst noch erarbeiten muss, startet so mit einer schweren Hypothek in die neue Regentschaft.

Harry und Meghan müssen sich entscheiden: Wollen sie ein selbstbestimmtes Leben, dann müssen sie sich aus dem Königshaus zurückziehen, ihre Titel und Privilegien abgeben und ein Privatleben als Harry und Meghan Mountbatten-Windsor führen. Oder sie bleiben in der königlichen Familie, mit allen Rechten und Titeln, aber auch Pflichten.

Harry und Meghan müssen sich entscheiden
Jens-Peter Marquardt, ARD London
09.01.2020 18:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Januar 2020 um 17:00 Uhr.

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