Der britische Premierminister Johnson bei einem Besuch in Manchester. | Bildquelle: REUTERS

Vorwürfe gegen britischen Premier Johnsons Umgang mit Frauen

Stand: 30.09.2019 13:42 Uhr

Kann Boris Johnson Privates von Beruflichem trennen? Und verhält er sich Frauen gegenüber angemessen? Das wird in Großbritannien gerade heftig diskutiert - wegen neuer Vorwürfe gegen den Premier.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London, zzt. Manchester

Der Premierminister wird seinen großen Auftritt in Manchester erst am Mittwoch haben. Bis dahin unterhält er die Mitglieder auf den Empfängen am Rande des Parteitags - mit großem Erfolg: "Soll ich bei meiner militärischen Wortwahl bleiben? - Ja! - Kämpfen wir etwa auf verlorenem Posten - Nein! - Wir ziehen den Brexit am 31. Oktober durch und vereinen dann unser Land", ruft Boris Johnson. Der Premier weiß, wie er die Seele der Partei erreicht.

Doch irgendwie mischen sich jetzt Misstöne in diesen Jubel-Parteitag. Es sieht so aus, als würden Frauengeschichten aus den vergangenen Jahren den Premierminister heimsuchen. Die "Sunday Times" hatte bereits vor einer Woche berichtet, Johnson habe in seiner Zeit als Londoner Bürgermeister einer Freundin - einer Geschäftsfrau namens Jennifer Arcuri - ungerechtfertigte Vorteile verschafft. Er habe mit ihr ein Verhältnis gehabt, sie mehrmals auf Handelsreisen mit ins Ausland genommen und ihr Internet-Unternehmen mit öffentlichen Geldern unterstützt.

Polizei soll Sachverhalt klären

Johnson sagte dazu jetzt nur, es habe keine Interessenskollision gegeben, alles sei anständig und korrekt abgelaufen. Die Londoner Stadtverwaltung, inzwischen unter einem Labour-Bürgermeister, sieht das anders. Sie hat die Polizei aufgefordert, die Vorwürfe zu prüfen.

Damit nicht genug: Die "Sunday Times" legte am Wochenende nach. Johnson habe sie bei einem feuchtfröhlichen Abendessen in der Redaktion des "Spectator" begrapscht, schrieb die Kolumnistin Charlotte Edwardes. Johnson war zeitweise Chefredakteur der Zeitschrift. Er habe ihr ziemlich weit oben in den Oberschenkel gekniffen, schreibt die Journalistin. Nicht nur ihr, sondern auch noch einer weiteren Kollegin.

Johnsons Pressesprecher versuchte daraufhin, den Schaden zu begrenzen: Er lief in Manchester durchs Pressezentrum des Parteitags und sagte allen Journalisten, an diesen Vorwürfen sei nichts dran.

Ex-Ministerin hinterfragt Johnsons Charakter

Am Morgen in der BBC wollte Finanzminister Sajid Javid eigentlich nur das milliardenschwere Infrastrukturprogramm für die Zeit nach dem Brexit präsentieren, musste sich dann aber auch noch den Fragen zu Johnson stellen: Er habe mit dem Premierminister über die Vorwürfe gesprochen, sagte Javid. Und der habe ihm gesagt, sie seien unwahr - und er vertraue ihm, so der Finanzminister.

Justine Greening war auch mal Ministerin. Inzwischen ist sie aber - wie zwanzig andere konservative Brexit-Abweichler - aus der Fraktion geflogen. Sie stellt nach diesen Vorwürfen Johnsons Charakter infrage: "Diese Vorwürfe sind zutiefst beunruhigend. Sie berühren den Kern von Charakter und Integrität im öffentlichen Leben. Und stellen die Frage, welches Verhalten die Wähler erwarten dürfen."

Es sieht nicht so aus, als würden diese Fragen schnell verschwinden. Sie legen vielmehr einen Schatten über diesen Parteitag, den Johnson eigentlich zu einer Jubelveranstaltung machen wollte.

Boris Johnsons Frauengeschichten
Jens-Peter Marquardt, ARD London, zzt. Manchester
30.09.2019 12:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. September 2019 um 16:10 Uhr.

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