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Entgegen Sicherheitsbedenken Briten beteiligen Huawei an 5G-Netz

Stand: 28.01.2020 15:14 Uhr

Großbritannien lässt den chinesischen Konzern Huawei in seine 5G-Netze. Kritische Kernbereiche bleiben für den Ausrüster aber tabu. In Deutschland schwelt der Streit um das Unternehmen weiter, dem Spionage vorgeworfen wird.

Die britische Regierung hat entschieden: Der chinesische Netzwerkausrüster Huawei darf sich unter Einschränkungen am Ausbau der superschnellen 5G-Mobilfunknetze in Großbritannien beteiligen. Allerdings werde das Unternehmen vom besonders sensiblen Kernnetz ausgeschlossen, teilte die Regierung mit. Ausgeschlossen werden sollen chinesische Anbieter auch an sensiblen Orten wie Atomkraftwerken oder Militärbasen. Huawei könne aber einen Anteil von bis zu 35 Prozent im peripheren Netz haben, also etwa im Antennenbereich.

Huawei ist einer der weltweit führenden Netzwerkausrüster auf dem Gebiet der 5G-Technologie. Der Konzern begrüßte die Entscheidung der britischen Regierung. Das Unternehmen fühle sich bestätigt, dass es eine Rolle beim britischen 5G-Netz spielen werde. Huawei werde dem Land eine fortschrittlichere, sicherere und kostengünstigere Telekom-Infrastruktur bringen, erklärte Top-Manager Victor Zhang.

USA üben Druck auf Verbündete aus

5G soll dank extrem schneller Reaktionszeit eine Kommunikation praktisch in Echtzeit ermöglichen. Das gilt als wichtige Voraussetzung zur Fernsteuerung von Industrieanlagen oder Roboterautos.

Zugleich steckt in 5G-Netzen viel mehr Computertechnik. Das kann ihre Infrastruktur und Antennen anfälliger für Spionage und Sabotage machen. Einige Experten warnen deshalb auch, dass die Grenze zwischen einem besonders schützenswerten Kernnetz und weniger gefährdeten Randbereichen verschwimmt.

In zahlreichen Ländern, auch in Deutschland, gibt es Sorgen, dass Huawei-Technik ein Einfallstor für chinesische Spionage oder Sabotage sein könnte. Die USA haben Huawei deshalb vom Aufbau ihrer 5G-Mobilfunknetze ausgeschlossen und üben Druck auf Großbritannien und andere europäische Staaten aus, eine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Konzern ebenfalls auszuschließen. Mit der Entscheidung dürfte Premier Boris Johnson Ärger bei US-Präsident Donald Trump auslösen

Streit in der Regierungskoalition

Der britische Weg dürfte auch Einfluss auf die Entscheidung anderer EU-Staaten haben. Die Kommission hatte erklärt, sie wolle Huawei nicht grundsätzlich von der Beteiligung am Aufbau der 5G-Mobilfunknetze ausschließen. "Es geht nicht um Diskriminierung", sagte EU-Industriekommissar Thierry Breton im EU-Parlament. Er kündigte "strikte" und "anspruchsvolle" Regeln an. Jede Firma, die sie einhalte, sei in Europa willkommen. Die EU-Kommission will am Mittwoch eine Sicherheitsbewertung für das 5G-Netz vorlegen.

In Deutschland will die Bundesregierung ebenfalls keine einzelnen Unternehmen ausschließen. Die Grünen, FDP und die SPD-Bundestagsfraktion pochen aber auf einen härteren Umgang mit Huawei. Sie lehnen auch eine Unterscheidung in ein Kern- und ein Transport- oder Empfangsnetz ab. In der Unions-Bundestagsfraktion gibt es Streit über das Thema Huawei und 5G, weshalb die Entscheidung auf den 11. Februar verschoben werden musste.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Januar 2020 um 20:00 Uhr.

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