Liz Truss (L.) und Annalena Baerbock (R.) | AFP

Treffen der G7-Außenminister "Müssen Aggressoren die Stirn bieten"

Stand: 11.12.2021 18:49 Uhr

In Liverpool beraten die G7-Außenminister auch über den Umgang mit Russland und China. Zum Auftakt warnte die britische Ministerin Truss Russland vor einem Einmarsch in die Ukraine - das werde "schwerwiegende Konsequenzen" haben.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

Schon bald, nachdem die Presse ihre Fotos gemacht hatte, mussten die Medienvertreter den Raum verlassen. Beraten wird beim G7-Außenministertreffen hinter verschlossenen Türen. Aber die britische Außenministerin und Gastgeberin des Treffens, Liz Truss, hatte bei ihren einführenden Worten zu Beginn schon deutlich gemacht, was sie von diesem Wochenende und dem Treffen der "weltweit einflussreichsten Demokratien" erwartet: 

Wir brauchen gemeinsam einen positiven, pro-aktiven Ansatz, damit wir sicherer und wettbewerbsfähiger werden und damit wir besser für die Werte eintreten können, an die wir glauben. Wir müssen uns gegen die wachsende Bedrohung durch feindliche Akteure verteidigen und wir müssen zusammenkommen, um Aggressoren die Stirn zu bieten, die versuchen, Freiheit und Demokratie zu begrenzen.
Imke Köhler ARD-Studio London

Sorge über Truppen an ukrainischer Grenze

Ein großes Thema bei den Gesprächen ist Russland. Das Land hat Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen, die Berichte über Zahlen variieren, einigen Meldungen zufolge könnten es 175.000 Soldaten sein. Die G7-Außenministerinnen und -minister wollen darüber sprechen, wie Russland von einem Einmarsch in die Ukraine abgehalten werden kann beziehungsweise wie die G7 reagieren wollen, falls Russland es doch tut.

Ebenso wie die USA und Deutschland hat auch Großbritannien den russischen Präsidenten Wladimir Putin vor einem solchen Schritt gewarnt. "Das wäre ein extrem ernster Schritt", sagte Truss. "Es wäre ein strategischer Fehler, der schwerwiegende Konsequenzen für Russland hätte. Was wir an diesem Wochenende mit gleichgesinnten Partnern machen, ist, diese Konsequenzen auszubuchstabieren."

Eine Möglichkeit: Nord Stream 2

Eine der Maßnahmen könnte sein, Russlands Gas-Exporte zu beschneiden. Dabei geht es um Nord Stream 2 - die Gas-Pipeline, die durch die Ostsee führt und mit der Deutschland künftig auf direktem Weg russisches Erdgas beziehen könnte. Bislang wartet Russland noch auf die behördliche Genehmigung für die Inbetriebnahme.

Die Pipeline zuzudrehen oder gar nicht erst in Betrieb zu nehmen, würde Russland wirtschaftlich empfindlich treffen. Allerdings würde es auch das Gasangebot in Westeuropa weiter verknappen und damit auch die Energiepreise noch stärker in die Höhe treiben. 

 

Themen auch Iran und China

Neben der Krise mit Russland drehen sich die Gespräche beim G7-Treffen in Liverpool an diesem Wochenende auch um das iranische Atomprogramm und die Frage, wie der stetig wachsende, weltweite Einfluss Chinas begrenzt werden kann. Es gehe darum, die wirtschaftlichen Verbindungen so zu verstärken, dass die Staaten in der Welt nicht mit autoritären Regimen zusammenarbeiten müssten, sondern Alternativen hätten, sagte Truss.

Vor diesem Hintergrund nehmen auch die Entwicklungsministerinnen und -minister an den Gesprächen teil. China vergibt weltweit Kredite und schafft damit Abhängigkeiten. Dem britischen Außenministerium zufolge haben bereits 44 Staaten mit niedrigem und mittlerem Einkommen Schulden in Peking, die mehr als zehn Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes betragen.

 

Über dieses Thema berichtete am 11. Dezember 2021 tagesschau24 um 17:00 Uhr und MDR Aktuell um 19:08 Uhr.