LKW stehen auf der Autobahn | REUTERS

Nach Reisebeschränkungen Kein Ende des Lkw-Staus in Sicht

Stand: 23.12.2020 11:52 Uhr

Frankreich hat das Einreiseverbot aus Großbritannien ausgesetzt - Fracht und Passagiere können die Grenze wieder passieren. Doch der Stau löst sich so schnell nicht auf. Vor Ort kam es zu Schubsereien und Handgemenge.

Nach der Lockerung einer zweitägigen Sperre durch Frankreich sind wieder Fracht und Passagiere aus Großbritannien im Land angekommen. Reporter der Nachrichtenagentur AP sahen, wie eine Fähre in den französischen Hafen Calais einfuhr. Züge mit Fracht und Autopassagiere dürfen unter dem Ärmelkanal über die Grenze fahren.

Wer aus Großbritannien in Frankreich eintrifft, muss sich einem Coronavirus-Test unterziehen, bei dem die in Großbritannien ermittelte Variante ausfindig gemacht werden kann. Der Test darf zudem nicht älter als 72 Stunden sein. Das geht aus der Vereinbarung hervor, die französische, britische und europäische Behörden nach 48-stündigen Verhandlungen trafen.

Stau könnte noch Tage andauern

Bis sich der immense Lkw-Stau rund um den Hafen von Dover auflöst, dürfte es nach Angaben der britischen Regierung aber "einige Tage" dauern. Es gebe nun "viel zu tun" und das Problem werde nicht "sofort" gelöst sein, sagte Wohnungsbauminister Robert Jenrick am Mittwoch dem Sender Sky News.

Der Hafen von Dover hatte in der Nacht zum Mittwoch wieder geöffnet, nachdem sich Paris und London auf eine Lockerung der strikten Reise- und Verkehrsbeschränkungen geeinigt hatten. Frankreich hatte wegen der in Großbritannien aufgetauchten neuen Coronavirus-Variante die Grenzen für den Frachtverkehr vorübergehend geschlossen. Das hatte die Befürchtung von Versorgungsengpässen in Großbritannien vor allem bei frischen Gütern geschürt.

Nach Jenricks Angaben steckten gestern Abend rund um das Hafengebiet etwa 4000 Laster fest - entweder auf der Autobahn nach Dover oder auf einem angrenzenden ungenutzten Flughafen. Unter anderem dort sollen sich die Lkw-Fahrer nun testen lassen können.

Handgemenge zwischen Lkw-Fahrern und Polizisten

Der britische Verkehrsminister Grant Shapps versicherte, es seien genügend Tests unterwegs. Gleichzeitig warnte er aber: "Kommen Sie nicht nach Dover, warten Sie erst mal ab". Es könne zwei, drei Tage dauern, bis der Stau aufgelöst sei.

Zwischen den wartenden Lastwagenfahrern und der Polizei kam es zwischenzeitlich auch zu Schubsereien und Handgemenge. Frustrierte Fahrer hätten die Polizei ausgepfiffen, einige versuchten, an den Beamten vorbeizukommen, wie britische Medien berichteten.

Viele mussten die dritte Nacht in Folge in ihren Fahrzeugen verbringen und berichten, dass es kaum Versorgung gibt, während sie in ihren Kabinen festsitzen und die nächste Einkaufsmöglichkeit viele Kilometer entfernt ist. Einige der Lkw haben verderbliche Ware wie Fisch oder Meeresfrüchte geladen.

Uneinigkeit über Art der Tests

London und Paris hatten bis zuletzt offenbar um die Frage gerungen, welche Tests durchgeführt werden sollen. Die französische Regierung hat Labortests gefordert, weil diese als verlässlicher gelten, allerdings muss man auf deren Ergebnis 24 bis 48 Stunden warten. Das erschien der britischen Regierung als nicht praktikabel.

Stattdessen sollen die Lkw-Fahrer nun einen Schnelltest machen dürfen, sofern gesichert ist, dass der das mutierte Virus erkennt.

Lkw auf einem Parkplatz bei Dover | AP

Tausende Lkw-Fahrer mussten auf Parkplätzen auf ihre Weiterfahrt warten. Bild: AP

Bis zu 4000 Lkw warten auf Weiterreise

Frankreich hatte die Grenze in der Nacht von Sonntag auf Montag geschlossen. Inzwischen haben mehr als 50 Länder die Einreise aus Großbritannien gestoppt, nachdem hier eine neue, sich besonders schnell verbreitende Mutation des Corona-Virus festgestellt wurde. Gestern meldeten die britischen Behörden fast 37.000 Neuinfektionen, das ist der höchste Wert seit Beginn der Pandemie.

Mit Informationen von Thomas Spickhofen und Imke Köhler, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Dezember 2020 um 06:00 Uhr.