Eine ältere Frau läuft in London an einem Schild vorbei, dass auf ein Corona-Testzentrum hinweist. | Bildquelle: AFP

Pandemie in Großbritannien Es wird eng mit den Corona-Tests

Stand: 16.09.2020 17:58 Uhr

Noch vor ein paar Wochen versicherte der britische Premier: Jeder, der will, kann sich auf das Coronavirus testen lassen. Angesichts steigender Infektionszahlen muss Johnson nun zurückrudern - und steht erneut in der Kritik.

Erneut steht Großbritanniens Premierminister Boris Johnson in der Kritik - und schon wieder ist der Grund der Umgang der Regierung mit der Corona-Krise. Denn mit den steigenden Infektionszahlen im Land werden die Corona-Tests langsam knapp.

Britische Medien berichten, dass in einigen Testzentren kaum noch Tests zu bekommen seien. Die "Financial Times" schreibt zudem, dass der Anteil unter den getesteten Briten, die ihr Ergebnis bereits am Folgetag mitgeteilt bekommen, seit Monatsbeginn von 60 auf gerade einmal acht Prozent gesunken sei.

Einige haben Priorität

Und im Londoner Parlament räumte es Johnson heute auch selbst ein: "Wir besitzen nicht genügend Testkapazitäten." Und er fügte hinzu, dass er gerne mitteilen würde, dass sich jeder testen lassen könne, der sich testen lassen wolle. Doch stattdessen will die britische Regierung bei den Tests nun Prioritäten setzen. Laut Johnson stehen dabei Menschen im Vordergrund, die Symptome zeigen. Ebenso sollen medizinisches Personal oder Mitarbeiter in sozialen Einrichtungen wie etwa Pflegeheimen Vorrang bekommen.

Noch bis vor ein paar Wochen hatte das ganz anders geklungen: Da hatte die britische Regierung noch jedem die Chance auf einen Test zugesichert. Und im Mai hatte Johnson sogar angekündigt, dass britische System im Kampf gegen die Pandemie werde das "weltbeste" werden.

Tägliche Infektionszahlen steigen wieder an

Doch derzeit steigen die Corona-Fallzahlen im Vereinigten Königreich wieder an. Auf ihrer Internetseite meldete die Regierung in London heute erneut mehr als 3100 weitere bestätigte Infektionen innerhalb der vergangenen 24 Stunden und 27 weitere Todesopfer.

Insgesamt haben sich den Zahlen der Johns-Hopkins-Universität zufolge in Großbritannien bereits mehr als 376.600 Menschen mit dem Erreger angesteckt. Mehr als 41.700 Briten seien gestorben, nachdem sie positiv auf das Virus getestet worden waren. Damit liegt Großbritannien im weltweiten Vergleich an fünfter Stelle, was die Corona-Toten betrifft - hinter den USA, Brasilien, Indien und Mexiko.

Nach Angaben von Johnsons Regierung wurden seit Beginn der Pandemie fast 20,3 Millionen Briten auf das Coronavirus getestet. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien rund 227.000 Tests vorgenommen worden.

Johnson: Bis Ende Oktober bis zu 500.000 Tests pro Tag

Doch ab jetzt müsse das Gesundheitssystem bei den vorhandenen Tests "priorisieren", räumte auch der zuständige Minister Matt Hancock ein. Bis die Probleme beseitigt werden könnten, könne es mehrere Wochen dauern.

Johnson zeigte sich da schon etwas optimistischer: Bis Ende Oktober sollten landesweit täglich bis zu 500.000 Tests durchgeführt werden können - also fast doppelt so viele wie derzeit pro Tag. Er werde alles tun, um einen zweiten Lockdown zu vermeiden, beteuerte der Premier.

Viele Versprechen, wenig Handeln

Doch die Opposition zeigt sich von Johnsons optimistischen Tönen unbeeindruckt. Johnson sei mit seiner Corona-Politik gescheitert. Er verspreche viel für die Zukunft, tue in der Gegenwart aber nur wenig. Schon in den vergangenen beiden Tagen hatten oppositionelle Abgeordnete im Parlament Beschwerden von Bürgern vorgetragen, die keinen Test hätten machen können und so nicht zur Schule oder zur Arbeit gehen konnten.

Schon zu Jahresbeginn hatte Johnson scharfen Widerspruch für seine Corona-Politik erhalten, da er erst Beschränkungen anordnete, als die Infektionszahlen bereits begannen, deutlich anzusteigen.

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