Boris Johnson | Bildquelle: AP

Corona-Krise in Großbritannien Milliarden-Hilfe für Krankenhäuser

Stand: 17.07.2020 13:47 Uhr

Die britische Regierung fürchtet eine zweite Corona-Welle im Winter. Mit drei Milliarden Pfund will sie deshalb das Gesundheitssystem dagegen wappnen. Zugleich versucht Premier Johnson, Zuversicht zu verbreiten.

Der britische Premierminister Boris Johnson will das heimische Gesundheitssystem mit einem milliardenschweren Finanzpaket für eine mögliche zweite Coronavirus-Welle im Winter rüsten. Zuschüsse in Höhe von drei Milliarden Pfund sollen dem staatlichen Gesundheitsdienst (NHS) den Aufkauf von Kapazitäten in Privatkrankenhäusern ermöglichen, kündigte der Regierungschef an.

Hospitäler im Schnellverfahren

Zudem sollen mit den Mitteln eine Reihe von provisorischen Kliniken erhalten werden, die angesichts rapide steigender Corona-Fallzahlen im Frühjahr im Schnellverfahren erbaut worden waren.

Zwar wurden in den sogenannten Nightingale-Hospitals letztlich wenige Patienten behandelt, doch will die Regierung weiterhin freie Kapazitäten für den Fall haben, dass eine neue Corona-Welle mit der Grippesaison im Winter zusammenfällt.

Wirtschaft um 25 Prozent eingebrochen

Für Premier Johnson ist die Strategie ein Drahtseilakt: Er versucht die Bürger zu überzeugen, dass das Land für neue Ausbrüche gewappnet ist; ermuntert zugleich aber zur Rückkehr in Geschäfte, Restaurants und an Arbeitsplätze. Denn es gilt, die lahmende Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, die seit März um 25 Prozent eingebrochen ist.

Viele Geschäfte haben zwar wieder geöffnet, doch werden die Bürger weiterhin angehalten, nach Möglichkeit zu Hause zu arbeiten und den öffentlichen Nahverkehr nur zu nutzen, wenn es nötig ist. Das hat Unternehmen, die auf anwesende Büroangestellte angewiesen sind, ins Trudeln gebracht.

Daher wünscht sich Johnson, dass mehr Bürger an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Doch betonte sein wissenschaftlicher Chefberater Patrick Vallance, dass es "absolut keinen Grund" gebe, an der Home-Office-Empfehlung zu rütteln.

Report warnt vor 120.000 Toten

Bisher sind in Großbritannien mehr als 45.000 Menschen am Coronavirus gestorben. Das ist die höchste Todesrate in Europa und die dritthöchste weltweit nach Brasilien und den USA. In einem von Vallance in Auftrag gegebenen Report wird vor 120.000 Toten in britischen Krankenhäusern gewarnt, falls das schlimmstmögliche Szenario einer Corona-Eskalation bei gleichzeitiger Grippewelle im Winter einträte. Allerdings sei dies keine Vorhersage, hieß es in dem Bericht.

Darstellung: