Der Chef der griechischen Konservativen, Antonis Samaras

Regierungsbildung im Laufe des Tages erwartet Griechenland kurz vor abermaligem Neuanfang

Stand: 20.06.2012 11:33 Uhr

Griechenland steht offenbar kurz vor der Regierungsbildung: Wahrscheinlich kann Nea-Dimokratia-Chef Samaras noch heute Vollzug melden. Derzeit stehen noch Gespräche der drei Koalitionspartner auf dem Programm: ein Leichtes, verglichen mit dem, was sie danach erwartet.

Michael Lehmann ARD-Studio Istanbul

Von Michael Lehmann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul, zurzeit Athen

Der Wunsch des griechischen Präsidenten Karolos Papoulias hat sich nicht erfüllt: Am Montagabend schon hätte er die neue Regierung gerne vom künftigen konservativen Regierungschef Antonis Samaras vorgestellt bekommen. Es wird nun erst heute klappen, am dritten Tag nach der Parlamentswahl vom Sonntag.

Stundenlange Beratungen gab es bis gestern Abend: Mal mit allen drei künftigen Regierungspartnern - der Nea Dimokratia, Pasok und der demokratischen Linken, mal mussten sich die Parteien intern einigen - bei der vom Wähler böse gerupften sozialdemokratischen Pasok hing der Haussegen offenbar schief.

"So schnell wie mögliche Regierungsbildung"

Umso öfter ließ sich Pasok-Chef Evangelos Venizelos vor den Mikrophonen blicken: "Die Regierung, das sage ich erneut, muss so schnell wie möglich gebildet werden. Nach dem, was der heutige Tag gebracht hat, könnte es morgen um die Mittagszeit dann auch klappen." Venizelos wirkt wie die treibende Kraft dieser Koalition, der kamerascheue Antonis Samaras von den Konservativen sah seine Rolle als werdender Regierungschef offenbar eher hinter den Kulissen. Und da braucht der kleinste Koalitionspartner, die demokratische Linke unter Parteichef Fotis Kouvelis, offenbar die stärkste Zuwendung.

Antonis Samaras im Gespräche mit Evangelos Venizelos

Beratungen seit der Wahl am Sonntag: Antonis Samaras und Evangelos Venizelos

Die will möglichweise vorerst keinen Ministerposten aus den eigenen Reihen besetzen. Ein Zeichen, dass sie mit der Regierungsarbeit und den möglichen Kröten, die sie dabei schlucken muss, noch hadert. Denn im Wahlkampf stand diese demokratische Linke immer für ein striktes Nein zum harten Sparkurs, den die EU Griechenland verordnet hat. Die neue Regierung muss diesen Sparkurs einhalten.

Abermaliger Neuanfang für Griechenland im Laufe des Tages

Pasok-Chef Venizelos versuchte, die Turblenzen bei der Regierungsbildung zu glätten: "Die Koalition aus unseren drei Parteien wird mit ganzem Herzen diese Regierung unterstützen - und sie wird sich so einsetzen, dass es am Ende für die griechische Gesellschaft zum Erfolg führt."

Ringen um eine Regierungsbildung: Fotis Kouvelis (Dimar), Antonis Samar (ND), Präsident Papoulias und Pasok-Chef Venizelos

Rangen bereits vor einem Monat um die Regierungsbildung: Kouvelis, Samaras, Präsident Papoulias und Venizelos (von links).

Der Zeitablauf für heute sieht zunächst mögliche interne Gespräche der Parteien vor, dann will sich Samaras, der Regierungschef in spe, mit den Spitzen beider Koalitionspartner treffen. Ein letztes Mal, wie es heißt, bevor dann der Gang zum Präsidenten ansteht, der den abermaligen Neuanfang für Griechenland dann formal an den Start bringt.

Das alles klingt nach furchtbar anstrenden Aufgaben. Für viele Griechen, die das heute im heißen Athen mal mit großer Gelassenheit, mal ziemlich gleichgültig an sich vorüberziehen ließen, ist klar, dass die Hauptaufgaben auf die Regierung erst nach ihrer Einführung in alle Ämter zukommen: das Sparpaket neu aushandeln, Wirtschaft ankurbeln, Milliarden-Hilfen neu berechnen und die Stimmung im Volk möglichst schnell aufhellen. Die paar Tage Regierungssondierung zu Beginn werden den Ministern und ihrem Chef dann vorkommen wie ein kleines Wellness-Paket.

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KOMMENTARE

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Herbst1952 20.06.2012 • 19:11 Uhr

@ zuschauer

Zitat: "Zuschauer76 >>>Probleme gelöst? Stabile Regierung? Wohl kaum. Tsipras hätte meiner Meinung nach mitmachen MÜSSEN"!<<< Alexis Tsipras und die Syriza wären ja ziemlich dämlich, wenn sie sich für die, von den alten-neuen Machthabern verursachte ruinöse Politik, in Mithaftung nehmen ließe. Syriza hat einen völlig anderen und mit den neoliberalen Parteien unvereinbaren Politikansatz, den sie in einer Koalition mit den Krisenverursachern nicht mal teilweise durchsetzen könnten. Das käme für jede wirklich linke Partei, einem Harakiri gleich und wäre unverantwortlich, ihren Wählern gegenüber. Die Griechen haben nun gewählt und sich mehrheitlich und verängstigt, für ihre ehemaligen und zukünftigen Metzger entschieden. Mal abwarten wie das jetzt wird. Günstig sieht es jedenfalls nicht aus. Da bleibt noch viel Arbeit für Syriza als stärkste Oppositionspartei, zu retten, was zu retten ist.