Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hält eine Rede, im Hintergrund zwei türkische Flaggen. | Bildquelle: AFP

Streit zwischen Türkei und Griechenland Erdogan verschärft den Ton

Stand: 31.08.2020 07:25 Uhr

"Geldgierig" und "inkompetent" - so hat der türkische Präsident Erdogan die Regierungen von Griechenland und Frankreich genannt. Es ist die jüngste Fortsetzung des seit Wochen schwelenden Streits zwischen Ankara und Athen um die Ägäis.

Im Streit um Gasvorkommen im Mittelmeer und den Verlauf der Seegrenze zwischen der Türkei und Griechenland hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan noch einmal nachgelegt. Die politisch Verantwortlichen in Athen und Paris seien "geldgierig" und "inkompetent".

"Wenn es ums Kämpfen geht, sind wir bereit, Märtyrer zu werden", sagte Erdogan in einer Rede. Er fügte hinzu: "Die Frage ist: Sind diejenigen, die sich gegen uns im Mittelmeer auflehnen, zu den gleichen Opfern bereit?" "Akzeptiert das griechische Volk das Risiko, in dem es wegen seiner geldgierigen und inkompetenten Anführer ist?", fragte der Präsident weiter. "Weiß das französische Volk um den Preis, den es wird zahlen müssen wegen seiner geldgierigen und inkompetenten Anführer?"

Ankara und Athen streiten um unlängst entdeckte Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind deshalb extrem angespannt. Angesichts der Lage hat Frankreich als Zeichen seiner Unterstützung für Griechenland seine Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer verstärkt.

Mögliche Ausweitung der griechischen Territorialgewässser

Erst am Samstag hatte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu gesagt, sollte Griechenland seine Territorialgewässer in der Ägäis ausweiten, wäre das "ein Grund für einen Krieg". Vizepräsident Fuat Oktay äußerte sich ähnlich: Der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge sagte er: "Wenn das kein Kriegsgrund ist, was denn sonst?"

Aktueller Hintergrund war offenbar eine Ankündigung der griechischen Regierung vom Mittwoch. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hatte da im Parlament erklärt, Griechenland dehne seine Hoheitszone im Ionischen Meer von sechs auf zwölf Seemeilen aus. Die eigentliche Auseinandersetzung zwischen der Türkei und Griechenland betrifft allerdings nicht das Ionische Meer, sondern die Ägäis.

Im Falle der Ägäis liegt die besondere Brisanz darin, dass es etliche griechische Inseln gibt, die zwar weit weg vom griechischen Festland liegen - aber direkt vor der Küste der Türkei. Die Festlegung von Seegrenzen wird von Staaten unterschiedlich ausgelegt, hatte die Seerechtsexpertin Nele Matz-Lück im tagesschau.de-Interview erklärt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. August 2020 um 18:00 Uhr.

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