Der griechische Premierminister Alexis Tsipras sitzt während der Debatte im griechischen Parlament. | Bildquelle: dpa

Streit mit Mazedonien Griechische Abgeordnete werden bedroht

Stand: 16.01.2019 11:22 Uhr

Abgeordnete des griechischen Parlaments haben Drohanrufe und -nachrichten erhalten. Unbekannte setzen sie offenbar wegen ihrer Position im Namensstreit um Mazedonien unter Druck.

Vor der Vertrauensabstimmung im griechischen Parlament sehen sich etliche Abgeordnete Drohbotschaften ausgesetzt. Eine Politikerin, die für Ministerpräsident Alexis Tsipras stimmen will, hat Medienberichten zufolge via SMS Bilder von Frauen mit abgetrennten Köpfen erhalten. Andere Parlamentarier berichten von Drohanrufen, die sich auch gegen ihre Familien richteten.

Im Norden Griechenlands und in der Hafenstadt Thessaloniki tauchten in den vergangenen Tagen außerdem unzählige Plakate mit Fotos von Abgeordneten auf - unter ihren Köpfen steht die Frage: "Wirst auch du Mazedonien verraten?" Die Polizei nahm bisher vier Verdächtige fest.

Demonstration gegen den Namenskompromiss in Athen (Archivbild) | Bildquelle: AFP
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Demonstration gegen den Namenskompromiss in Athen (Archivbild)

Namensstreit mit Mazedonien

Die Drohungen entzünden sich offenkundig am Namensstreit mit Mazedonien. Ministerpräsident Tsipras hatte vergangenes Jahr mit dem Nachbarstaat ausgehandelt, dass er sich in "Nord-Mazedonien" umbenennen will, um der Namensgleichheit mit einer nordgriechischen Provinz ein Ende zu setzen.

Viele Griechen sind gegen diese Regelung - seit Jahrzehnten blockiert Griechenland wegen des Streits die Annäherung des Nachbarlandes an die EU und die NATO.

Verteidigungsminister Panos Kammenos war bereits am Sonntag zurückgetreten und hatte die Regierungskoalition aufgekündigt, weil er das Abkommen über den neuen Namen nicht mittragen will.

Abstimmung über Vertrauensfrage am Abend

Tsipras stellte daraufhin die Vertrauensfrage, über die das Parlament heute abstimmen will. Falls er das Votum übersteht, soll die Abstimmung über das Namensabkommen in der kommenden Woche auf die Tagesordnung.

Die Opposition hat den Premier jedoch bereits in der seit Dienstag dauernden Parlamentsdebatte aufgefordert, sofort Neuwahlen abzuhalten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 16. Januar 2019 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.

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