Demonstranten in Athen | Bildquelle: dpa

Griechenland Proteste gegen Kompromiss im Mazedonien-Streit

Stand: 04.02.2018 20:14 Uhr

In Athen haben mehr als Hunderttausend Menschen für das alleinige Recht Griechenlands auf den Namen Mazedonien demonstriert. Sie wandten sich gegen einen Kompromiss im Streit um den künftigen Namen des Nachbarlandes Mazedonien.

Mehr als Hunderttausend Griechen aus allen Teilen des Landes und dem Ausland haben in Athen gegen einen Kompromiss im Streit um den künftigen Namen des Nachbarlandes Mazedonien protestiert. Sie gingen für das alleinige Recht Griechenlands auf den Namen "Mazedonien" auf die Straße.

Berichten zufolge trafen etwa 2500 Busse allein aus Nordgriechenland zu der Kundgebung vor dem Parlament ein. Die Veranstalter sprachen von 1,5 Millionen Teilnehmern, die Polizei gab ihre Zahl mit rund 140.000 an.

Proteste in Athen | Bildquelle: dpa
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Die Demonstranten versammelten sich vor dem griechischen Parlament.

Seit mehr als 25 Jahren wird gestritten

Der Streit um den Namen Mazedonien belastet die Beziehungen zwischen Griechenland und seinem nördlichen Nachbarn schon seit mehr als 25 Jahren. Der Konflikt reicht ins Jahr 1991 zurück, als sich die ehemalige jugoslawische Teilrepublik für unabhängig erklärte und sich den Namen Mazedonien gab. Aus griechischer Sicht ist der Name Mazedonien Teil des Nationalerbes. Athen befürchtet, der Nachbar könnte damit Anspruch auf die gleichnamige nordgriechische Provinz erheben.

Zuletzt signalisierte Ministerpräsident Alexis Tsipras jedoch Kompromissbereitschaft, um das Problem zu lösen und zum Abbau der Spannungen in der Region beizutragen. Im Gespräch sind neue zusammengesetzte Namen für den griechischen Nachbarstaat, die jedoch allesamt den Namen Mazedonien enthalten - etwa Nord-Mazedonien und Neu-Mazedonien. Die Demonstranten wehren sich jedoch gegen jeden Kompromiss, der den Namen Mazedonien enthält.

Organisiert wurde der Protest von nationalistischen Organisationen, Veteranenvereinigungen, Vereinen der griechischen Diaspora und Kirchengemeinden. Beteiligt war auch die neofaschistische Partei Chryssi Avgi (Goldene Morgenröte). Einige Demonstranten trugen traditionelle Trachten, etwa die von griechischen Rebellen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Mazedonien gegen bulgarische Banden und osmanische Einheiten kämpften.

Polizei in Athen | Bildquelle: dpa
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Am Rande der Demonstration setzte die Polizei Tränengas ein.

"Erdbeben ausgeblieben?"

In einer ersten Reaktion nach Abschluss der Kundgebung erklärte Regierungschef Tsipras, das von den Organisatoren erhoffte "Erdbeben" sei ausgeblieben. Die große Mehrheit der Griechen habe eingesehen, dass sich die "großen außenpolitischen Probleme nicht durch Fanatismus und Intoleranz" lösen ließen.

Der Namensstreit mit Griechenland blockiert seit Jahren die Beitrittsgespräche Mazedoniens mit der Europäischen Union und der NATO. Der UN-Vermittler in dem Streit, Matthew Nimetz, zeigte sich zuletzt aber "sehr optimistisch, dass der Prozess in eine positive Richtung geht".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Februar 2018 um 20:00 Uhr.

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