Flüchtlinge besteigen im Hafen von Lesbos die Fähre zum Festland. | AFP

Nach Brand in Moria Hunderte Flüchtlinge aufs Festland verlegt

Stand: 28.09.2020 16:51 Uhr

700 Menschen können als anerkannte Flüchtlinge die Insel Lesbos verlassen. Griechische Behörden haben damit begonnen, sie aufs Festland zu verlegen. Ziel sei es, die Situation auf Lesbos zu entspannen.

Rund 20 Tage nach der Brandkatastrophe im Flüchtlingslager Moria haben die Behörden Hunderte Menschen von der Insel Lesbos auf das griechische Festland verlegt. Wie das Migrationsministerium in Athen und die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilten, sollten bis zum späten Nachmittag 704 Menschen die Insel verlassen.

Es seien anerkannte Flüchtlinge, die Asyl in Griechenland bekommen haben, berichtete das Staatsfernsehen (ERT). Sie sollen an Bord der Fähre "Nissos Chios" am Abend nach Piräus gebracht werden und dann auf dem Festland untergebracht werden.

2300 Menschen sollen folgen

Es sei geplant, dass wahrscheinlich am Donnerstag und am nächsten Montag weitere 2300 Menschen mit Schutzrecht zum griechischen Festland gebracht werden, berichtete das Staatsfernsehen weiter. Ziel sei es, die Ägäis-Insel zu entlasten, auf der aktuell mehr als 14.000 Migranten untergebracht sind, teilte der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis mit.

Auf das griechische Festland verlegt werden Menschen, deren Asylantrag positiv beschieden worden ist oder die als besonders gefährdet eingestuft werden. Dazu zählen etwa alleinstehende Frauen und Schwangere, Behinderte und ältere Menschen. Unbegleitete Minderjährige befänden sich keine mehr in den sogenannten Identifikationslagern auf Lesbos, betonte Migrationsminister Mitarachi. 

Kritik an Lebensbedingungen

Zuvor hatten sich zehn EU-Staaten bereit erklärt, insgesamt rund 400 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus dem ausgebrannten Lager Moria aufzunehmen. Deutschland hat sich zur Aufnahme von insgesamt 1500 Asylbewerbern, die sich derzeit in Griechenland befinden, bereit erklärt. Frankreich nimmt 500 Migranten auf. 

Nach der Brandkatastrophe in Moria Anfang des Monats hatten die griechischen Behörden ein provisorisches neues Flüchtlingscamp errichtet. Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Lebensbedingungen in dem Camp scharf. So gebe es zu wenige Duschen, Toiletten und keine funktionierende Lebensmittelverteilung. Alle Bewohner des neuen Flüchtlingslagers wurden auf das neuartige Coronavirus getestet. 240 der Tests fielen positiv aus. Ein negatives Testergebnis ist Voraussetzung für eine Verlegung auf das Festland.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. September 2020 um 17:15 Uhr.