Renzi und Tsipras in Rom

Tsipras zu Gast in Rom "Griechenland nicht strangulieren"

Stand: 03.02.2015 19:48 Uhr

Der neue griechische Ministerpräsident Tsipras wirbt weiter bei Partnern für eine Entlastung beim Schuldendienst. Heute traf er in Rom Italiens Regierungschef Renzi. Dieser geht davon aus, dass die EU und Griechenland im Schuldenstreit eine gemeinsame Basis finden können.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Bisher hatten die beiden mehr übereinander als miteinander geredet. Vor allem Alexis Tsipras über Matteo Renzi. Der habe doch bei der europäischen Schuldenpolitik das gleiche Rezept wie Angela Merkel: Haushaltsdisziplin. lästerte Tsipras neulich und setzt demonstrativ vor allem auf den linken Flügel in Renzis sozialdemokratischer PD: "Das ist ein ganz wichtiger Teil, denn der drängt Renzi in eine radikalere, in eine linke Richtung. Das ist wichtig, nicht für die PD, sondern für Italien und ganz Europa."

Renzi und Tsipras in Rom

Beim italienischen Premier Renzi will Griechenlands Ministerpräsident Tsipras (rechts) seine Pläne vorstellen.

Tilmann Kleinjung ARD-Studio Rom

Europaminister zeigt Verständnis

Tsipras hofft auf eine gemeinsame Achse mit Italien, melden griechische Zeitungen. Das heutige Treffen mit Renzi sollte dem Zweck dienen, Unterstützung im gemeinsamen Kampf gegen die europäische Sparpolitik zu bekommen. Solche Erwartungen waren von der italienischen Regierung bereits im Vorfeld des Gesprächs gedämpft worden. Er glaube nicht an ein "Europa der Achsen", sagt der italienische Europaminister Sandro Gozi dem ARD-Studio Rom.

Als gute Europäer müssten sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und die Vorschläge der griechischen Regierung anhören, so Gozi: "Wir haben immer innerhalb der Regeln agiert. Wir haben Druck gemacht, damit sie mehr im Sinne des Wachstums ausgelegt werden. Und das war ja auch die erste Tat der Kommission Juncker, und wir glauben, dass wir diesen Weg weitergehen müssen."

Der italienische Europaminister Sandro Gozi (Archivbild)

Der italienische Europaminister Gozi äußert Verständnis für Tsipras' Linie.

Athen hat 40 Milliarden Euro Schulden in Italien

Dazu kommt: Italien ist einer der größten Kreditgeber Griechenlands. Athen schuldet Rom mehr als 40 Milliarden Euro. Tsipras muss nun konkretisieren, was mit den griechischen Staatsschulden geschehen soll. Zuletzt wollte sein Finanzminister Yanis Varoufakis nicht mehr von einem Schuldenschnitt sprechen und brachte stattdessen ein  Umschuldungsprogramm ins Gespräch.

Entsprechende Pläne wollte Varoufakis nach einem Treffen mit Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan heute in Rom nicht kommentieren. Man habe über eine mögliche Roadmap gesprochen, wie Griechenland wieder zu Stabilität zurückfinden kann, so der griechische Finanzminister. Dabei kann Athen mit einem Entgegenkommen der italienischen Regierung rechnen. Europaminister Gozi : "Wir sind ein Gläubiger, der glaubt, dass der Schuldner nicht erstickt werden darf. Ein guter Gläubiger hilft dem Schuldner, seine Schulden zu bezahlen."

Dass Griechenland seine Zusammenarbeit mit der Troika aufgekündigt hat, dafür zeigt die italienische Regierung Verständnis. Man müsse künftig demokratischere Methoden als die der Troika finden, heißt es in Rom.