Menschen tragen Wasser über eine Brücke, Moria/Lesbos. | Bildquelle: AFP

Angst vor Corona-Ausbruch Athen bringt Flüchtlinge aufs Festland

Stand: 16.04.2020 14:45 Uhr

Die Angst vor einem Corona-Ausbruch in den überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln ist groß. Zum Schutz der Flüchtlinge und Inselbewohner sollen nun mehr als 2000 ältere und vorerkrankte Menschen aufs Festland gebracht werden.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus will Griechenland ab der kommenden Woche 2380 Migranten aus den überfüllten Lagern auf den ostägäischen Inseln zum Festland bringen. Laut Migrationsministerium geht es dabei vor allem um ältere und kranke Menschen, die als besonders gefährdet gelten. "Wir schützen damit vor der Pandemie die Menschen, die in den Lagern leben, und die Einwohner der Inseln", erklärte das Ministerium.

Zu den Betroffenen gehören 200 Flüchtlinge über 60 Jahre und 1730 Menschen mit Vorerkrankungen sowie deren Angehörige. Für sie würden auf dem Festland Wohnungen, Hotels und Lager vorbereitet. Die Umsiedlung soll nach dem 19. April, dem orthodoxen Osterfest, beginnen und etwa zwei Wochen dauern. 

Infektionen - eine Frage der Zeit

Bislang sind in den Lagern auf den Inseln keine Corona-Infektionen registriert worden. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis dieser Fall eintrete, sagte der Leiter der Zweigstelle der Hilfsorganisation Ärzte der Welt auf der Insel Lesbos, Dimitris Patestos.

Nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie hatte Athen die Gesundheitskontrollen rund um die Lager auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos mit zusätzlichem Personal und Container-Isolierstationen verstärkt. Zudem dürfen Migranten die Lager nur begrenzt und mit einer Genehmigung der Polizei verlassen. Jeder neu aus der Türkei ankommende Migrant muss in geschlossenen Lagern für 14 Tage in Quarantäne.

35.000 leben dort, wo für 6000 Platz ist

Die Lage in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln gilt als katastrophal: Dort leben mehr als 35.000 Menschen in Camps, die eigentlich nur für etwas mehr als 6000 Menschen ausgelegt sind. Bereits in den vergangenen Wochen hatte Athen Hunderte Migranten zum Festland bringen lassen. Seit Wochen kommen kaum noch Migranten aus der Türkei auf den Inseln an.

Erste Kinder in Luxemburg angekommen

In der EU begann unterdessen in dieser Woche ein Programm zur Verteilung von 1600 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingskindern aus den griechischen Lagern in mehrere europäische Länder. Zwölf junge Afghanen und Syrer im Alter zwischen elf und 15 Jahren wurden am Mittwoch nach Luxemburg gebracht.

Voraussichtlich 58 Kinder und Jugendliche sollen Ende der Woche in Deutschland eintreffen. Sie sollen zunächst nach Niedersachsen und dort 14 Tage lang in Quarantäne kommen.

Entlastung für griechische Lager: 2.380 Flüchtlinge dürfen aufs Festland
Thomas Bormann, ARD Istanbul zzt. Athen
16.04.2020 16:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 16. April 2020 um 14:35 Uhr.

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