Amateuraufnahme zeigt deutsche Soldaten in Distomo im Jahr 1944 | Bildquelle: dpa

Streit um Griechenland-Reparationen Außenamt gibt sich versöhnlich

Stand: 19.03.2015 15:48 Uhr

Seit Tagen streiten Athen und Berlin um mögliche Entschädigungszahlungen für NS-Verbrechen. Die Bundesregierung sagt Nein - doch nun kommt möglicherweise Bewegung in den Konflikt. Die Idee: Mehr Geld für einen deutsch-griechischen Versöhnungsfonds.

In den Streit mit Griechenland um Entschädigungsleistungen für NS-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg kommt möglicherweise Bewegung. Die Bundesregierung lehnt Reparationszahlungen zwar weiter ab, der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, zeigte sich nun aber grundsätzlich bereit, den deutsch-griechischen Zukunftsfonds mit mehr Geld auszustatten. "Einer bedarfsgerechten Anpassung stehe ich offen gegenüber", sagte Roth dem "Handelsblatt". Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter hatte diese Idee zuvor ins Spiel gebracht.

Bislang eine Million jährlich

Der 2014 vom Auswärtigen Amt eingerichtete Fonds soll Projekte fördern, die der Versöhnung und der historischen Aufarbeitung zwischen Deutschland und Griechenland dienen. Er wird bislang jährlich mit einer Million Euro ausgestattet. Roth ließ offen, wie hoch die "bedarfsgerechte Anpassung" ausfallen könnte.

Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, begrüßte die Bereitschaft der Bundesregierung zu einem Ausgleich gegenüber Griechenland. Es sei klar, "dass während der deutschen Besatzung Griechenlands schreckliche Verbrechen begangen wurden", sagte Beck dem "Handelsblatt". Er betonte, wie "wichtig heute Signale wären, dass Deutschland sich dieser Geschichte bewusst ist".

Entsprechende Überlegungen der griechischen Regierung hatte die Bundesregierung in den vergangenen Wochen mehrfach zurückgewiesen. Deutschland sei sich seiner historischen Verantwortung bewusst, die Frage sei aber politisch und rechtlich geregelt, lautet die offizielle Position.

Es geht vor allem um zwei Punkte: Zum einen die Forderungen von Reparationszahlungen wegen der Kriegsverbrechen Deutschlands in Griechenland während des Zweiten Weltkriegs ganz allgemein, zum anderen um eine sogenannte Zwangsanleihe, die das besetzte Griechenland zwischen 1942 und 1944 unter Druck an die Nazis gezahlt hatte. Höhe: 476 Millionen Reichsmark. Wie viel das heute ist, ist nicht ganz klar. Schätzungen belaufen sich auf acht bis elf Milliarden Euro inklusive Zinsen.  

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