Menschen gehen an der Promenade von Alimos nahe Athen spazieren | dpa

Corona-Pandemie Griechenland setzt auf geimpfte Touristen

Stand: 22.02.2021 11:00 Uhr

Griechenland und Zypern wollen den Tourismus baldmöglichst wieder aufleben lassen - und dazu vor allem Geimpfte ins Land lassen. Mit Israel und weiteren Ländern sind Abkommen in Arbeit oder geplant.

Von Verena Schälter, ARD-Studio Athen

Wer momentan nach Griechenland reist, muss für sieben Tage in häusliche Quarantäne - ohne Ausnahme. Diese Regel galt sogar in der Zeit, als Griechenland für zwei, drei Wochen die strengen Corona-Maßnahmen gelockert hatte.

Verena Schälter

Zu groß war und ist die Angst, dass die Reisenden das Virus oder eine seiner Mutationen mitbringen könnten. Für ein Land, das zu einem Großteil vom Tourismus lebt, ist das eine schwierige Situation. Ein Ausweg aus diesem Dilemma könnte ein Corona-Impfpass sein.

"Impf-Korridor" zwischen Griechenland und Israel

Anfang Februar reiste Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis nach Israel und vereinbarte mit Benjamin Netanyahu eine Art Impf-Korridor. "Ich möchte die Gelegenheit nutzen und Ihnen gratulieren, mit welchem Tempo Sie Ihre Bevölkerung geimpft haben und impfen", sagte Mitsotakis zu Netanyahu.

"Das wird uns erlauben, israelischen Touristen die Möglichkeit anzubieten, ohne weitere Einschränkungen in Griechenland Urlaub machen zu können."

Außer dieser Ankündigung gibt es noch keine Details über das Abkommen. Auf Nachfrage beim zuständigen Tourismusministerium heißt es lediglich, dass die Vereinbarung in beide Richtungen gelten soll, also auch für Griechen, die nach Israel reisen wollen.

Bisher wenige Griechen geimpft

Doch genau da wird es schwierig: Während in Israel bereits mehr als drei Millionen Menschen geimpft sind - und damit etwa ein Drittel der Bevölkerung - sieht die Lage in Griechenland anders aus: Dort haben knapp sieben Prozent die erste Impfdosis erhalten und gerade mal zwei Prozent die zweite.

Dazu kommt: Es ist immer noch nicht geklärt, ob geimpfte Personen das Virus dennoch weitergeben können. Zwar macht eine aktuelle Studie aus Israel Hoffnung: Demnach verhindert der Impfstoff von BioNTech und Pfizer die Übertragung zu beinahe 90 Prozent.

Außerdem: Ein Restrisiko sich anzustecken, bestehe auch bei Leuten, die vor der Einreise einen Test gemacht hätten, argumentiert der griechische Tourismusminister Charis Theocharis: "Dasselbe passiert mit Leuten, die gerade einen Test gemacht haben. Sie könnten sich natürlich trotzdem ein paar Minuten oder Tage später anstecken und die Krankheit dann verbreiten."

Risiko bleibt für Nicht-Geimpfte

Dennoch: Für die griechische Bevölkerung bedeute das Corona-Reisezertifikat ein Risiko, sollte es in diesem Tempo mit den Impfungen weitergehen, sagt Pharmakologe Evangelos Manolopoulos: "Wenn sehr viele geimpfte Menschen in ein Land reisen, wo die Bevölkerung nicht geimpft ist, sind diejenigen, die kommen geschützt, die anderen nicht", so Manolopoulos.

"Das Ganze wird dann relativ sicher für beide Seiten sein, wenn beide Länder angemessene Impfquoten erzielen. Und damit meine ich nicht zwingend Herdenimmunität, was zwar ideal wäre, aber selbst 40 Prozent würden in diesem Fall reichen."

Zypern, das eine ähnliche Impfquote hat wie Griechenland, wird darauf nicht warten. Auch dort hat man mit Israel ein Tourismus-Abkommen geschlossen, wie Präsident Nikos Anastasiadis vor einer Woche ankündigte: "Ab dem 1. April müssen Reisende aus Israel, die geimpft sind, weder einen PCR-Test vorlegen noch müssen sie in Quarantäne."

Zypern und Griechenland gehören damit zu den Ländern, die bereits Fakten geschaffen haben, während die EU noch über ein gemeinsames Impfzertifikat debattiert.

Abkommen mit weiteren Ländern geplant

In der Zwischenzeit plant Griechenland bereits mit weiteren Drittstaaten ähnliche Abkommen. Als nächstes wolle man gern mit Großbritannien eine Vereinbarung treffen. Auch mit den USA wäre so etwas denkbar, heißt es aus dem Tourismusministerium.

Dass Griechenland diese Abkommen schließt, bedeute allerdings nicht, dass nur geimpfte Menschen einreisen dürfen, stellt Tourismusminister Theocharis klar: "Wir wollen das Reisen natürlich nicht nur auf diejenigen beschränken, die geimpft sind. Aber da derzeit jeder Reisende ein negatives Testergebnis vorweisen muss, wäre das offensichtlich eine Verschwendung von Ressourcen, wenn geimpfte Menschen trotzdem bei jeder Reise getestet werden", so Theocharis.

Vor allem aber, so die Hoffnung, wäre ein Corona-Impfzertifikat eine Möglichkeit, um bald in Richtung Normalität zurückzukehren - spätestens zum Sommer, wenn die Saison beginnt.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 22. Februar 2021 um 10:24 Uhr.