Griechenland Feuer | YANNIS KOLESIDIS/EPA-EFE/REX/Shu

Brände in Griechenland Gärten wie apokalyptische Friedhöfe

Stand: 11.08.2019 10:33 Uhr

In nur einem Tag haben schwere Brände den griechischen Badeort Mati zerstört. Einwohner trauern um tote Angehörige, suchen Trost - und fragen sich, ob das Inferno vermeidbar war.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Es sind nur noch Gerippe, Blechwracks und verkohlte Reifenteile übrig geblieben. Etwa 300 Autos haben die Brände hier vernichtet und mehr als tausend Gebäude zerstört. Im Badeort Mati, etwa 20 Autominuten nördlich des Athener Flughafens gelegen, fahren Schaulustige nach dem Feierabend langsam auf Mopeds und in Autos durch die Straßen und schauen sich die verheerenden Schäden an, die der Waldbrand dort angerichtet hat.

Michael Lehmann ARD-Studio Istanbul

Mit Flammen, die aus westlicher Richtung von den Hügeln in Sekundenschnelle regelrecht heruntersprangen - angefacht von starkem, warmem Wind. Es stinkt nach verbranntem Plastik in Mati. Einzelne Baumrümpfe und die Stümpfe dicker Äste brennen noch. Die Erde vor vielen Häusern schillert silbergrau - wie mit feiner Asche überzogen. Viele bis gestern gepflegte Gärten sehen jetzt aus wie apokalyptische Friedhöfe.

"Unseren Hund geschnappt und weggerannt"

Anwohner Kostas Karajannis und seine Frau konnten sich Richtung Meer retten. "Wir haben gestern einfach unseren Hund geschnappt und sind weggerannt. Da waren die Flammen hier hinten vielleicht noch 50 Meter entfernt", erzählt er.

Von ihrem Haus ist immerhin noch soviel übrig, dass sich das Renovieren lohnt – und deshalb haben die zwei auch gleich damit angefangen. Der Holzanteil der Dachkonstruktion ist zerstört, die meisten Ziegel ebenso.

In der gleichen Straße liegen sich zwei jüngere Männer mit Tränen in den Augen in den Armen. Beide haben offenbar Angehörige in den Flammen verloren.

Mit seinem Freund, der ebenfalls um Angehörige trauert, bespricht Iannis, daß es wirklich um Sekunden ging - er habe auf seine Frau nicht mehr warten können: "Ich habe mein Baby genommen und bin runter Richtung Meer gerannt. Und meine Frau, ich weiß nicht, was mit ihr passiert ist … sie hat zu spät reagiert … ich glaube, sie ist hier an dieser Stelle verbrannt."

Brandstiftung hat in Mati keinen Sinn

Wie konnte ein Waldbrand etwa 80 Menschen das Leben kosten? Das ist und bleibt in Mati und in ganz Griechenland eine unruhige Frage. Die Opferzahl wird vermutlich nach oben korrigiert. Zuviele Vermisste stehen noch auf den Listen, die inzwischen auch online nachzulesen sind - beigestellt sind oft auch Fotos der Vermissten.

Brandstiftung macht eigentlich keinen Sinn hier in Mati, so sagen es Menschen vor einem Hotel, das seit gestern geschlossen ist. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte das Wort von möglicher Brandstiftung sehr früh in den Mund genommen.

Jetzt kommen aber auch Zigarettenkippen, fahrlässiges Grillen oder ebenso fahrlässige Schweißerarbeiten als Auslöser in Frage - irgendwann und irgendwo in der Gegend.

Eine vom griechischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Luftaufnahme zeigt die große Fläche, die im einstigen Badeort Mati verbrannt ist. | AFP

Eine vom griechischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Luftaufnahme zeigt die große Fläche, die im einstigen Badeort Mati verbrannt ist. Bild: AFP

Hitze, Trockenheit, die Windrichtung

In einer Taverne in Mati verteilen Pfadfinder Wasser und ein paar Lebensmittel. Für Helfer, aber auch für Anwohner. Für Menschen, die einfach ein bisschen quatschen wollen.

Es kam diesmal einfach viel zusammen - der Wind, die Hitze, die Trockenheit, eine seltene Windrichtung. Und deshalb, so sagen es viele hier in Mati, hätten möglicherweise auch mehr Feuerwehrleute mit modernerem Löschgerät diese Katastrophe nicht verhindern können.

Der Mann weiter hinten in der Straße am Rand von Mati, der seine Schwester in den Flammen verloren hat, weicht einem Reporter aus und verschwindet ins Haus. Er fühlt sich zurecht bedrängt und wirkt trotz seiner Trauer genervt.

Wenige Stunden zuvor hatte der Nationale Fernsehrat Griechenlands alle Medien aufgerufen, seriös zu berichten und in den Tagen nach den Bränden den Betroffenen vor allem Ruhe zu gönnen - ohne nach immer neuen Skandalen zu jagen.

Über dieses Thema berichtete das ARD Morgenmagazin am 25. Juli 2018 um 05:30 Uhr.