Flüchtling Matthieu | Bildquelle: Michael Lehmann

Flüchtlinge in Griechenland Matthieus neue Hoffnung durchs Nähen

Stand: 20.06.2018 11:27 Uhr

Vor 13 Jahren kam er von Afrika nach Griechenland. Seitdem kämpft sich Matthieu mit Kindern und Frau durchs Leben. Dabei half ihm die Textil-Werkstatt Naomi, wo er schnell nähen lernte.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Kräftige Männerhände liegen auf der Stoffbahn - für Besucher ist das ein ungewöhnliches Bild in der Nähwerkstatt von Naomi. Hier im Textilviertel von Thessaloniki haben in den letzten Jahrzehnten vor allem Frauenhände die Nähmaschinen bedient. Zanmenou Matthieu, der vor 13 Jahren aus Benin nach Griechenland geflüchtete Schwarzafrikaner, hat als Mann recht flott nähen gelernt - und ist dabei angekommen in seiner neuen Heimat:

"Ich bin verheiratet, habe drei Kinder - alle sind hier in Griechenland geboren. Sie fühlen sich voll und ganz als griechische Kinder. Sie gehen hier zur Schule. Alle ihre Freunde sind auch Griechen."

Kaum Einkommen

Als Matthieu neu in Thessaloniki war, war Griechenland auch schon ein Einwanderungsland - und für Flüchtlinge war auch schon kaum Geld da: "Früher waren hier auch zu viele Flüchtlinge in der Stadt. Ich habe ein paar Jobs gehabt, aber dann war ich irgendwie schnell arbeitslos. Und es gab kaum Einkommen für uns."

Ein Mann sitzt an einer Nähmaschine | Bildquelle: picture alliance/AP Photo
galerie

Auch andere Flüchtlinge arbeiten bei Naomi

Naomi half weiter

Anders als viele Afrikaner, die nicht in Griechenland auf Dauer überleben konnten, blieb Matthieu zäh. Vielleicht, weil er immer zu seinen drei Kindern und zu seiner Frau gehalten hat: "Wir sind dann irgendwie hier bei Naomi vorbeigekommen. Meine Frau wurde Schülerin in der ökumenischen Nähwerkstatt. Vor drei Jahren war das. Ich bin stolz, dass ich jetzt hier dabei sein darf."

Naomi war und ist die Idee der ehemaligen evangelischen Pfarrerin von Thessaloniki und einer aus Deutschland nach Griechenland gezogenen Textilingenieurin. Elke Wollschläger machte aus Matthieu einen flotten Näher: In den Kursen und der Mini-Produktion werde nicht von Problemen geredet. Man kreiere, schaffe, entwickele, erklärt die Ingenieurin.

"Die Erfolgserlebnisse geben uns Energie. Und die Energie, die geht von den Flüchtlingen zu mir und von mir zu den Flüchtlingen. Die vergessen ihren Alltag darüber. Sie bauen sich eine kleine Hoffnung auf. Die Hoffnung , ihr Leben in Griechenland meistern zu können. Und dieses positive Denken, das geben wir mit."

Wollschläger kann inspirieren. Ihre gute Laune, ihre zupackende Art ist raumfüllend bei Naomi. Die Jacken und die leichten Sommerhosen aus der Nähwerkstatt werden auch nach Deutschland verkauft.

Gerade so klarkommen

Für Matthieu, den vor 13 Jahren nach Griechenland Geflohenen, ist Naomi vielleicht der wichtigste Grund, warum er auch ohne die Akuthilfe, die nur neuen Flüchtlingen zusteht, klarkommt in Thessaloniki: "Wir produzieren jeden Tag vier Stunden - so ist das für mich geregelt. Aus alten Flüchtlingsdecken nähen wir Jacken. Die schönen Sommerhosen, die mag ich besonders, weil sie richtig bunt sind. Einige haben auch Schüler von uns hier genäht."

Was er von seinem Leben hier in Griechenland noch erwartet, weiß der Familienvater aus Benin nicht so recht. Wie damals, als er kam, hört er überall nur, dass es zu viele Flüchtlinge für das arme Land sind: Griechenland, das Krisenland.

Der Wunsch nach einer Stadt ohne Rassismus

Einen großen Wunsch hat Matthieu, und zwar, dass seine Kinder irgendwann mal in einer Stadt ohne Rassismus leben können. Sein Sohn spreche eigentlich perfekt Griechisch, sagt er. Aber er sei schwarz. Bei einem Schulausflug habe ihn eine Frau im Bus neulich gefragt, wo er herkomme und er habe gesagt, dass er aus Griechenland sei. "Aha - ein Schwarzer aus Griechenland", hat sie geraunzt. Die Lehrerin hat dann der Frau ihre Meinung gesagt - und am Ende musste die Frau den Bus verlassen, nicht mein Sohn", erzählt Matthieu.

Weltflüchtlingstag: Ein Familienvater aus Benin lebt seit 13 Jahren in Thessaloniki
Michael Lehmann, ARD Athen
20.06.2018 09:46 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Juni 2018 um 06:45 Uhr.

Darstellung: