Eine Migrantin wartet mit ihren Kindern am Rande einer Landstraße in der mexikanischen Stadt Isla.  | Bildquelle: dpa

US-Grenze zu Mexiko Kinder als politisches Instrument

Stand: 26.06.2019 03:42 Uhr

In den Migrantenlagern entlang der Grenze zwischen den USA und Mexiko ist die humanitäre Lage katastrophal. Nun hat das von Demokraten dominierte Repräsentantenhaus für milliardenschwere Hilfsgelder gestimmt.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Kinder, die weinen. Mädchen und Jungen, die verzweifelt nach ihren Eltern rufen. Bilder, wie sie hinter Maschendrahtzaun schlafen oder spielen. Aufnahmen, die viele Amerikaner vor einem Jahr erschüttert haben.

Kinder sind von ihren Eltern getrennt worden, als sie über die Grenze zu Mexiko kamen. Null-Toleranz-Politik hieß das. Mindestens 2600 Kinder waren in der Obhut der Trump-Regierung. Einige Organisationen vermuten, dass es insgesamt noch viel mehr waren. Die genauen Zahlen sind unsicher, denn es fehlt vor allem eins: Daten. Wendy Young von der Organisation "Kids In Need Of Defense" sagte bei CNN:

"Die haben die Null-Toleranz-Politik so schnell umgesetzt, dass sie sich nicht darum gekümmert haben, Infos zu sammeln, um die Familien wieder zu vereinen. Nun versuchen sie das von hinten aufzurollen, um das irgendwie zu lösen."

Noch immer nicht alle Familien wiedervereint

Der öffentliche Aufschrei war groß. Kinder von ihren Eltern zu trennen - das geht gar nicht. Da waren sich viele einig. Am 26. Juni vergangenen Jahres hatte ein Richter der Trump-Regierung dann eine Deadline gesetzt: Innerhalb von 14 Tagen sollten alle Kinder unter fünf Jahren wieder mit ihren Eltern vereint werden. 30 Tage hatte die US-Regierung für alle anderen. Ein Jahr später sind immer noch nicht alle Kinder bei ihren Eltern. Bei einer Anhörung im US-Senat zeigte sich Dianne Feinstein, Senatorin der Demokraten, fassungslos darüber, wie Kinder behandelt werden:

"Dass dieses Land Kinder von den Eltern trennt….können Sie sich das vorstellen, wie das ihr 4, 5- oder 6-jähriges Kind prägt, ein Leben lang? Ich kann mir das vorstellen." 

Viele Kinder wurden quer durch das Land verteilt. Einige Eltern wurden bereits deportiert, bevor sie wieder mit ihren Töchtern oder Söhnen vereint werden konnten. DNA-Tests, Background-Checks werden gemacht. Es wird gesucht. Schließlich können auch nicht alle Kinder sprechen.

US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AFP
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US-Präsident Trump will die Demokraten im Kongress zur Finanzierung seines Mauerprojekts an der Grenze zu Mexiko bewegen.

Behandlung von Kindern in Übergangslagern in der Kritik

Unterdessen macht die Behandlung von Kindern in Übergangslagern in den USA neue Schlagzeilen. Es ist bekannt geworden, dass rund 300 Kinder in einem Lager in Texas waren und sich dort um andere Kleinkinder kümmern mussten. Sie hätten keine Seife und Zahnbürsten und zu wenig zu Essen gehabt. Dianne Feinstein erklärte, was sie über das Leben von Kindern in Übergangslagern erfahren hat:

"Der zuständige Chef der Grenzpolizei Sanders hat mir gesagt, dass Frauen in vielen Lagern an der Grenze keine Betten oder Pritschen haben, sondern auf dem Boden schlafen müssen. Das kann manchmal wochenlang so sein."

Ein Teil der Kinder wurden inzwischen in andere Migrantenlager gebracht. 100 Mädchen und Jungen wurden wieder zurückgebracht, weil keine Betten in anderen Übergangslagern für sie frei waren. Die Einwanderungsbehörde sagt, sie seien finanziell und logistisch am Ende. Die Trump-Regierung will mehr Geld vom Kongress. Karen Bass, Abgeordnete der Demokraten im Repräsentantenhaus, sagt bei CNN, die Behandlung der Kinder sei politisches Taktieren:

"Sie können mir nicht erzählen, dass die Regierung kein Geld für Zahnpasta und Seife hat. Das wird den Kindern angetan als Bestrafung, um Demokraten dazu zu bringen, einen Kompromiss für den Mauerbau zu unterschreiben."

Ein Migrantenlager an der US-Grenze zu Mexiko. | Bildquelle: AFP
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Ein Migrantenlager an der US-Grenze zu Mexiko.

Milliarden Dollar an Hilfsgeldern

Inzwischen stimmte das US-Repräsentantenhaus für die Freigabe von 4,5 Milliarden Dollar - knapp vier Milliarden Euro - an Hilfsgeldern für die Migranten an der Grenze zu Mexiko. Die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte, das Geld solle Essen, Kleidung, Hygieneartikel, eine medizinische Versorgung und Unterkünfte für Migrantenkinder sicherstellen. Die große Mehrheit der republikanischen Abgeordneten war gegen den Text. Im Repräsentantenhaus haben die oppositionellen Demokraten die Mehrheit.

Seit Oktober sollen 52.000 Kinder unbegleitet über die Grenze der USA gekommen sein. 10.000 allein im Mai. An der Grenze werden Kinder zwar nicht mehr von ihren Eltern getrennt, wohl aber von anderen Familienmitgliedern mit denen sie unterwegs sind.

Familientrennungen an der US-Grenze
Martina Buttler, ARD Washington
26.06.2019 00:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Juni 2019 um 06:40 Uhr.

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