der ungarische Grenzübergang Röszke | Bildquelle: ZOLTAN GERGELY KELEMEN/EPA-EFE/R

Ungarische Grenze Warnschüsse gegen Migranten

Stand: 28.01.2020 17:24 Uhr

Eine große Gruppe von Flüchtlingen soll am Morgen versucht haben, die serbisch-ungarische Grenze zu durchbrechen. Wachmänner gaben Warnschüsse ab und verhinderten, dass die Migranten auf ungarisches Gebiet gelangten.

An der Grenze zwischen Serbien und Ungarn ist es am Morgen zu einem Zwischenfall gekommen. Nach Angaben des ungarischen Innenministeriums hatte eine Gruppe von rund 60 Migranten versucht, auf ungarisches Staatsgebiet zu gelangen.

Nach Angaben der Polizei hat die Gruppe den Grenzzaun auf einer Länge von etwa zehn Metern beschädigt und sich so den Weg nach Ungarn freigeräumt. Als drei Wachmänner den Übertritt bemerkten, hätten sie die Menschen aufgefordert, stehen zu bleiben. Da diese darauf nicht reagierten, habe einer der Wachmänner drei Warnschüsse in Luft abgegeben. Die Nachrichten-Agentur dpa hatte unter Berufung auf Polizeikreise berichtet, dass ein Grenzbeamter die Schüsse abgefeuert hätte.

Nach den Warnschüssen seien die meisten nach Serbien zurückgelaufen. Vier Personen drangen allerdings auf ungarischen Staatsgebiet vor. Sie wurden festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft, teilte die Polizei mit.

Flüchtlinge im serbischen Horgos | Bildquelle: EDVARD MOLNAR/EPA-EFE/REX
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Von Serbien weiter nach Ungarn - das ist das Ziel vieler Flüchtlinge.

Stahlzaun zum Flüchlingsstopp

Das ungarische Röszke hat einen Straßengrenzübergang, der zeitlich befristet täglich zwischen sieben und 19 Uhr geöffnet ist und einen rund um die Uhr betriebenen Autobahngrenzübergang.

In Röszke war es auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015 zu Unruhen gekommen: Damals versuchten Hunderte Menschen, die Grenze zwischen Serbien und dem EU-Mitglied Ungarn zu durchbrechen. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban ordnete daraufhin den Bau eines Stahlzauns entlang der Landesgrenzen an. Seitdem ist die komplette Südgrenze des Landes praktisch unpassierbar und wird streng bewacht. Der heutige Zwischenfall zeige, dass diese Strategie funktioniere, so der ungarische Innenminister Sandor Pinter.

Flüchtlinge an der Grenze zu Ungarn
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Mit Stacheldraht und Stahlzäunen versuchte die ungarische Regierung ...

Flüchtlinge in Röszke
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... 2015 die Flucht der Migranten durch Ungarn zu stoppen.

Ungarn verfolgt unter dem rechtsnationalen Ministerpräsidenten Orban eine äußerst restriktive Asylpolitik. Wegen der Grenzsperranlagen an der serbischen und kroatischen Grenze haben sich inzwischen alternative Fluchtrouten etabliert, die durch Bosnien-Herzegowina und Kroatien führen.

Route wird weiter benutzt

Der Weg durch Ungarn wird aber weiter benutzt, weil Schlepper hier in den vergangenen Jahrzehnte sehr aktiv waren und sind und ein Netzwerk aufgebaut haben. In Serbien stecken nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR knapp 6000 Flüchtlinge und Migranten fest. Die meisten von ihnen warten auf eine Gelegenheit, um über Bosnien, Kroatien oder Ungarn weiterzukommen.

Mit Informationen von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Januar 2020 um 14:00 Uhr.

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