US-Botschafter Grenell in Hamburg | Bildquelle: picture alliance / Bernd von Jut

US-Botschafter Grenell Nicht diplomatisch

Stand: 04.06.2018 08:52 Uhr

Der neue US-Botschafter in Berlin, Grenell, will die Konservativen in Europa stärken. Das sagte er in einem Interview mit der rechten Plattform "Breitbart". Besonders angetan hat es dem Ex-PR-Berater ein "Rockstar" aus den Alpen.

Richard Grenell ist für einen Diplomaten ungewöhnlich scharfzüngig. Seit Mai vertritt er als US-Botschafter in Berlin die Positionen von Donald Trump. In einem Interview mit der rechten Plattform "Breitbart" hat Grenell nun angekündigt, die konservativen Kräfte in Europa stärken zu wollen.

Er sei von zahlreichen Politikern kontaktiert worden, die ihm von einem Aufschwung für Konservative berichtet hätten. Dies sei das Ergebnis "verfehlter linker Politik", sagte Grenell. Eine solch klare Positionierung widerspricht eigentlich diplomatischen Gepflogenheiten.

Lobend äußerte sich Grenell über Sebastian Kurz. Er halte den österreichischen Kanzler für einen "Rockstar". "Ich bin ein großer Fan", sagte er.

"Ich bin ein großer Merkel-Fan"

Ähnlich hatte er sich in der Vergangenheit bereits über Angela Merkel geäußert und sich als "großen Merkel-Fan" bezeichnet. Er "bewundere" die Kanzlerin. "Sie hat in der deutschen Regierung phänomenale Arbeit geleistet und die Wirtschaft auf ein großartiges Level gehoben. Wir sind sehr neidisch", sagte der Botschafter im Mai gegenüber "Focus Online".

Vor seiner Berufung nach Berlin verdiente Grenell sein Geld unter anderem als PR-Berater.

Druck auf Berlin wegen Iran und Verteidigung

Trotz der warmen Worte gen Merkel sorgte Grenell unmittelbar nach Amtsantritt für Irritationen in Deutschland: Nach der Ankündigung der USA zum Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Teheran hatte er deutsche Unternehmen aufgefordert, ihre Aktivitäten im Iran "sofort" herunterzufahren.

Zuvor hatte er höhere Militärausgaben von der Bundesregierung gefordert. Bei der Erreichung des Zwei-Prozent-Ziels für Verteidigungsausgaben vermisse er politischen Willen - an Geld mangele es nicht, denn der Wirtschaft gehe es gut.

Grenell sieht einzelne Regierungsvertreter auf dem richtigen Weg. "Es gibt ein großes Verlangen in der deutschen Regierung danach, die Verteidigungsausgaben schneller zu erhöhen und nicht mehr so lange damit zu warten, bis Deutschland militärisch wieder eine wichtigere Rolle auf der Weltbühne spielen kann", sagte Grenell in einem Interview mit "Focus Online".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Juni 2018 um 10:00 Uhr und 11:00 Uhr in den Nachrichten.

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