Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell | Bildquelle: dpa

Nach Kritik an US-Botschafter Grenell bemüht sich um Entspannung

Stand: 06.06.2018 19:49 Uhr

US-Botschafter Grenell soll sich bei einem Gespräch im Auswärtigen Amt diplomatisch gezeigt haben: Er wolle nicht als Parteigänger rechtsgerichteter Kräfte wahrgenommen werden, hieß es aus dem Amt.

Nach harscher Kritik in Deutschland will sich der neue US-Botschafter Richard Grenell offenbar um Entspannung bemühen. Er habe sich unglücklich über die Reaktionen gezeigt, die sein Interview ausgelöst habe, verlautete aus dem Auswärtigen Amt nach einem Treffen Grenells mit Staatssekretär Andreas Michaelis. Er wolle "nicht als Parteigänger rechtsgerichteter Kräfte in Deutschland wahrgenommen werden". Grenell wolle auch atmosphärisch dafür sorgen, "dass eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern möglich" werde, hieß es von deutscher Seite.

Michaelis und Grenell hätten über die Reaktionen in der deutschen Öffentlichkeit auf das jüngste Breitbart-Interview gesprochen. Das Interview mit der rechten Plattform war so verstanden worden, dass sich der neue US-Botschafter für Bewegungen einsetzt, die den Kurs von US-Präsident Donald Trump teilen und EU-kritisch sind. "Ich möchte unbedingt andere Konservative in ganz Europa stärken", wurde Grenell zitiert. Später hatte er auf Twitter versichert, dass er nicht zur Unterstützung bestimmter Parteien oder Personen aufrufe, aber: "Ich stehe zu meinen Kommentaren, dass wir ein Erwachen von der schweigenden Mehrheit erleben - die die Eliten und ihre Blase ablehnen. Geführt von Trump."

"Im selben Team"

Grenell ist seit einem Monat Botschafter in Berlin und ein Vertrauter Trumps. Traditionell bemühen sich Botschafter um diplomatische Zurückhaltung. Schon kurz nach seinem Amtsantritt hatte Grenell Irritationen ausgelöst, als er deutsche Unternehmen aufforderte, nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen auf weitere Geschäfte im Iran zu verzichten.

Vor dem Termin im Auswärtigen Amt hatte der US-Botschafter in einem Interview mit dem Magazin "Bunte" bereits versöhnliche Töne angeschlagen. Deutschland und die USA spielten "im selben Team", sagte er. "Wir glauben an Demokratie und Menschenrechte. Auch wenn wir mal nicht übereinstimmen, sind wir uns im Grunde sehr nah." Er lobte Bundeskanzlerin Angela Merkel für deren "Ernsthaftigkeit und ihre Herangehensweise an politische Dinge". Sie erwarte Resultate und nicht Prunk oder Glamour.

Über dieses Thema berichtete der Deutschlandfunk am 06. Juni 2018 um 20:00 Uhr in den Nachrichten.

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