Elie Rosen, der Präsident der Jüdischen Gemeinde Graz | Bildquelle: dpa

Gemeindepräsident attackiert Antisemitischer Angriff in Graz

Stand: 23.08.2020 16:59 Uhr

Vermutlich mit einem Baseballschläger ist der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Graz attackiert worden. Der Schutz aller jüdischen Einrichtungen wurde verstärkt - denn es war bereits der dritte Vorfall in dieser Woche.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde der österreichischen Stadt Graz, Elie Rosen, ist am Samstag von einem Mann angegriffen worden. Die Jüdische Gemeinde erklärte, Rosen sei attackiert worden, als aus dem Auto stieg. Er habe "sich in letzter Minute in den Pkw zurückflüchten" können. Der Angreifer habe noch mit dem Baseballschläger auf das Fahrzeug eingeschlagen und sei dann geflüchtet.

Es ist bereits der dritte mutmaßliche antisemitische Vorfall in dieser Woche. In der Nacht zu Freitag waren mehrere Fenster der Synagoge beschädigt, in der Nacht zu Dienstag pro-palästinensische Parolen auf das Gebäude und das nahe gelegene Gemeindezentrum gesprüht worden. "Ein Zusammenhang mit den letzten Vorfällen rund um die Grazer Synagoge liegt nahe", teilte die Polizei mit.

"Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas passiert", zitierten österreichische Medien Rosen. Es sei traurig, dass es in Graz zu solchen Vorfällen komme. Er werde sich aber davon nicht beirren lassen: "Ich werde mich in meiner Arbeit für die Gemeinde durch diese Anschläge in keinster Weise beeinträchtigen lassen."

Der österreichische Innenminister Karl Nehammer ordnete eine verstärkte Überwachung aller jüdischen Einrichtungen an.

Ein Polizeifahrzeug steht vor der Synagoge in Graz. | Bildquelle: dpa
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Ein Polizeifahrzeug steht vor der Synagoge in Graz.

Klare Worte von Kurz und Van der Bellen

Bundeskanzler Sebastian Kurz äußerte sich bei Twitter erschüttert über den Angriff. "Wir werden alles tun, um den Täter rasch zur Rechenschaft zu ziehen und die Sicherheit der jüdischen Gemeinde in Österreich weiterhin zu gewährleisten."

Und Bundespräsident Alexander Van der Bellen ergänzte bei Twitter: "Judenhass und Antisemitismus haben keinen Platz in unserer Gesellschaft."

"Solidarität gilt der jüdischen Gemeinschaft"

"Die wiederholten Angriffe auf die Grazer Synagoge erschrecken mich. Mein erster Gedanke gilt Herrn Rosen", twitterte Kardinal Christoph Schönborn. "Antisemitismus darf nie mehr Platz finden in Österreich!", appellierte der katholische Erzbischof von Wien.

Ähnlich äußerte sich der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. "Antisemitismus und Hetze haben keinen Platz in unserer Gesellschaft! Meine volle Solidarität gilt der jüdischen Gemeinschaft", twitterte Ümit Vural.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. August 2020 um 05:00 Uhr.

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