Eine Solidaritätskundgebung in Graz nach dem Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde. | Bildquelle: dpa

Nach Festnahme in Graz Verdächtiger gesteht antisemitischen Angriff

Stand: 24.08.2020 13:34 Uhr

Der 31-Jährige, der nach antisemitischen Straftaten in Graz festgenommen wurde, hat den Angriff auf den jüdischen Gemeindepräsidenten Rosen, gestanden. Innenminister Nehammer sieht ein "islamistisches Motiv".

Ein Syrer hat die Attacke auf den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Graz, Elie Rosen, gestanden. Es habe sich um einen Angriff mit "islamistischem Motiv" gehandelt, sagte der österreichische Innenminister Karl Nehammer. Der Verdächtige sei ein "radikal-islamistischer Antisemit", der als Flüchtling seit 2013 in Österreich lebe.

Der 31-Jährige lehne die österreichische Gesellschaft ab. "Wir haben es hier mit einem systemischen Problem zu tun und nicht nur mit einer einzelnen Tat", sagte Nehammer.

Steinwürfe und Schmieraktionen

Der Verdächtige war gestern festgenommen worden. Er wird für sieben Delikte in Graz verantwortlich gemacht. Es gehe um Sachbeschädigungen durch Steinwürfe und Schmieraktionen, unter anderem gegen die Synagoge Graz. In einem Fall soll er es auch auf ein "Etablissement im Rotlichtmilieu" abgesehen haben, so die Polizei. Es ist unklar, ob sich der Mann zu Taten bekannt hat.

Drei Vorfälle innerhalb einer Woche

Am Samstag war Elie Rosen, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Graz, angegriffen worden, als er aus dem Auto stieg. Rosen habe "sich in letzter Minute in den Pkw zurückflüchten" können, teilte die Jüdische Gemeinde mit. Der Angreifer habe noch mit dem Baseballschläger auf das Fahrzeug eingeschlagen und sei dann geflüchtet.

In der Nacht zu Freitag waren mehrere Fenster der Synagoge beschädigt, in der Nacht zu Dienstag pro-palästinensische Parolen auf das Gebäude und das nahe gelegene Gemeindezentrum gesprüht worden.

Synagoge vor 20 Jahren eröffnet

Die Synagoge in Graz war in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört worden. Nach mehr als 70 Jahren wurde die wiedererrichtete Synagoge im November 2000 auf den übrig gebliebenen Mauern neu eröffnet. Die jüdische Gemeinde in Österreichs zweitgrößter Stadt hat 150 Mitglieder. 

Im vergangenen Jahr waren in Österreich 550 antisemitische Vorfälle gemeldet worden. Kurz nach dem Angriff auf Rosen ordnete Innenminister Nehammer eine stärkere Polizeipräsenz vor allen jüdischen Einrichtungen in Österreich an.

Ein Polizeifahrzeug steht vor der Synagoge in Graz. | Bildquelle: dpa
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Ein Polizeifahrzeug steht vor der Synagoge in Graz.

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