Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude der US-Metropole Baltimore fordern Gerechtigkeit für Freddie Gray. | Bildquelle: dpa

Nach Tod in US-Polizeigewahrsam Hauptangeklagter im Fall Freddie Gray freigesprochen

Stand: 23.06.2016 22:17 Uhr

"Rough ride" heißt die Maßnahme im US-Polizeijargon. Ob es eine solche "wilde Fahrt" war oder nicht: Freddy Gray überlebte sie jedenfalls nicht. Dennoch sprach der Richter den Fahrer nun frei. Ein Urteil, das die Diskussion über Polizeigewalt in den USA erneut befeuert.

Der Hauptbeschuldigte Caesar Goodson im Fall des getöteten Schwarzen Freddie Gray ist in allen Anklagepunkten freigesprochen worden. Richter Barry Williams entschied, dass es keine ausreichenden Beweise dafür gebe, dass der Fahrer des Polizeiwagens vorsätzlich den Tod des Festgenommenen herbeiführen wollte. Gray hatte sich während der Fahrt in einem Polizeitransporter schwere Verletzungen zugezogen, an denen er später starb.

Grays Tod im April 2015 hatte in Baltimore die schwersten Unruhen seit Jahrzehnten ausgelöst und zusammen mit weiteren Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze die Bewegung "Black Lives Matter" (Schwarze Leben zählen) entstehen lassen.

Polizisten vor dem Gerichtsgebäude von Baltimore. | Bildquelle: AFP
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Polizisten sichern das Gerichtsgebäude von Baltimore, in dem der Prozess um den Tod von Freddie Gray verhandelt wird.

Williams zerpflückte die Argumentation der Staatsanwaltschaft komplett, der Fahrer habe billigend den Tod des 25-Jährigen in Kauf genommen, indem er ihn vor der Fahrt nicht angurtete. Deshalb sei der gefesselte Gray im Kastenwagen bei einer "wilden Fahrt" gegen die Metallwände geschleudert worden und habe sich das Genick gebrochen, erklärten die Staatsanwälte.

Keine "wilde Fahrt"

Der Richter befand, es habe gar keine "wilde Fahrt" gegeben, jedenfalls seien dafür keine Beweise erbracht worden. Der Fahrer war mit fünf anderen Polizisten angeklagt worden, als einzigem wurde ihm aber auch Totschlag vorgeworfen. Sein Freispruch in allen Punkten nährte Zweifel, ob es in dem Fall zu Verurteilungen kommen wird.

Im Gegensatz zu anderen Fällen handelte es sich bei Freddie Gray nicht um Gewalt eines oder mehrerer weißer Polizisten gegen einen Schwarzen. Der freigesprochene Fahrer ist selbst schwarz, der Richter ebenso wie der Staatsanwalt und wie die Bürgermeisterin von Baltimore. Als Gray starb, war auch der Polizeichef von Baltimore ein Schwarzer.

Polizeigewalt als Systemversagen

Ein Aktivist von Black Lives Matter, DeRay Mckesson, sagte, das Schicksal von Freddie Gray zeige, dass sich die Kritik gegen das gesamte System richten müsse. Von Politik über Gesetze bis hin zu Verträgen mit Polizeigewerkschaften gebe es ein ganzes Bündel von Maßnahmen in den gesamten USA, "die jede Form von Polizeiverhalten schützen werden", sagte er.

Auch ein früheres Verfahren im Fall Gray gegen einen weißen Polizisten war mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Dem 30-Jährigen waren Körperverletzung, grob fahrlässige Gefährdung und Amtsmissbrauch vorgeworfen worden. Urteilsbegründung damals: Er sei nicht direkt an der Festnahme beteiligt gewesen und das Festschnallen habe in der Verantwortung des Fahrers des Polizeitransporters gelegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Mai 2016 um 20:00 Uhr

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