Familie in Flüchtlingslager auf Lesbos | Bildquelle: AFP

Flüchtlingslager auf Inseln Warnung an Athen

Stand: 29.11.2019 01:41 Uhr

39.000 Menschen warten auf den griechischen Inseln auf eine Asyl-Entscheidung. Sie leben in Lagern wie auf Lesbos. UNHCR-Kommissar Grandi warnte nach einem Besuch vor einer "Inhaftierung".

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Nach seinem Besuch im Flüchtlingslager "Moria" auf der Insel Lesbos forderte der UNHCR-Chef, Filippo Grandi, die griechische Regierung in Athen auf, deutlich mehr Menschen als bisher möglichst schnell aufs Festland zu bringen. Die Lager, so Grandi, müssten dringend entlastet werden. Viele Flüchtlinge, die dort leben, seien verzweifelt und empfänden ihre Lage als aussichtslos.

Die griechische Regierung versucht seit längerem, mit regelmäßigen Transfers Hunderter Flüchtlinge pro Woche die Situation zu verbessern. Da aber täglich teilweise auch mehrere 100 Flüchtlinge neu auf den griechischen Inseln ankommen, ist die Versorgungslage in den Flüchtlingscamps weiterhin dramatisch schlecht.

Familie in Flüchtlingslager auf Lesbos | Bildquelle: AFP
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Die Lebensbedingungen für Flüchtlinge in den Lagern auf den griechischen Inseln sind schlecht. Viele Menschen warten seit Monaten auf ein Ergebnis ihres Asylantrags.

Grandi warnt vor Inhaftierung

Grandi warnte die griechische Regierung davor, die geplanten Abschiebelager auf den Inseln zu Gefängnissen zu machen. Die neue Asylgesetzgebung der konservativen Regierung in Athen sieht vor, die bestehenden Lager aufzulösen und geschlossene Camps zu eröffnen, für die wesentlich strengere Regeln gelten sollen.

"Asyl zu suchen ist kein Verbrechen, deshalb sollten Menschen nicht inhaftiert werden", mahnte der UNHCR-Kommissar. "Natürlich hat die Regierung das legitime Recht, die Lage in den Flüchtlingscamps zu kontrollieren. Kontrolle ist keine Inhaftierung. Dort, wo die Kontrolle Inhaftierung bedeutet, können wir das nicht gutheißen. Wenn Kontrolle darin besteht, dass es eine bessere Registrierung und Disziplin bei der Verwaltung dieser Einrichtungen gibt, dann ist dies natürlich positiv."

39.000 Menschen warten auf den Inseln

Auf den griechischen Inseln warten derzeit mehr als 39.000 Migranten auf eine Anhörung oder das Ergebnis ihres Asylverfahrens. Im Frühjahr waren es lediglich 14.000 - also nicht einmal halb so viele. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" hatte vor wenigen Tagen die gesundheitliche Versorgung als katastrophal bezeichnet und die Europäische Union dringend aufgefordert, mehr für die Entlastung der Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln zu tun.

UNHCR-Chef in Athen: Kastrophale Lage in Flüchtlingslagern
Michael Lehmann, ARD Istanbul
29.11.2019 00:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 29. November 2019 um 06:07 Uhr.

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