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Erste Züge rollen durch Gotthard-Tunnel Bahn frei für unten durch

Stand: 01.06.2016 16:46 Uhr

Es war eine Eröffnung mit Pomp und Prominenz - und um 12.52 Uhr hatte der Gotthard-Tunnel seine Prüfung bestanden: Die ersten beiden Züge erreichten das Ziel auf der jeweils anderen Seite. Eröffnungsgast Merkel sprach von einem "wunderbaren Tag" und lobte die Schweizer Präzision.

Mit einem "Bahn frei" hat der Schweizer Bundespräsident Johann Schneider-Ammann den neuen Gotthardtunnel freigegeben. Auf das Signal hin fuhren zwei Züge mit jeweils 500 Bürgern vom Nord- und Südportal aus in den 57 Kilometern langen Eisenbahntunnel und waren nach knapp 20 Minuten auf der jeweils anderen Seite.

Als "historischen Tag" würdigte das Schweizer Staatsoberhaupt die Eröffnung. An der Fertigstellung des "Jahrhundertwerks" hätten mehrere Generationen mitgewirkt. "Es ist ein wichtiger Schritt für die Schweiz, für unsere Nachbarn und den Rest des Kontinents."

Mit der Eröffnung des längsten Eisenbahntunnels der Welt steuert Europa auf eine neue Ära im Schienenverkehr zu. Der als technisches Meisterwerk geltende Tunnel ist ein zentraler Baustein für das Ziel, den Güterverkehr zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer stärker auf die Schiene zu verlagern.

Merkel lobt Schweizer Präzision - Deutschland in Zugzwang

An den Feierlichkeiten nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi teil. Merkel sprach von einem "wunderbaren Tag" und lobte die Schweizer Präzision, durch die ein gigantisches Projekt im Zeit- und Kostenrahmen geblieben sei. Daran müsse man in Deutschland noch ein bisschen arbeiten, sagte sie auch mit Blick auf den schleppenden Ausbau der Rhein-Schiene. Außerdem habe der Tunnel in Zeiten, in denen die EU in einer tiefen Krise stecke, eine hohe Symbolkraft für die Einheit des Kontinents: "Ich wünsche mir, dass wir Verbindendes sehen, und dass wir das Verbindende zu nutzen verstehen."

Eröffnungsfahrt durch das Gotthard-Massiv mit Polit-Prominenz | null

Eröffnungsfahrt durch das Gotthard-Massiv mit Polit-Prominenz

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sicherte zu, dass Deutschland alles daran setzen werde, den Güterverkehr Richtung Gotthard steigern zu können. In den Ausbau der Rheintalstrecke seien bisher zwei Milliarden Euro investiert worden, weitere 6,5 Milliarden Euro stünden bereit, sagte der CSU-Politiker im SRF.

Bahnchef Rüdiger Grube verteidigte die Verzögerungen beim Ausbau der Zubringerstrecken für den neuen Gotthard-Tunnel. Der Ausbau im Rheintal brauche die Unterstützung der Bürger, sagte Grube angesichts von 170.000 Einwendungen von Anwohnern, Gemeinden und Landkreisen. "Wir wollen die Bevölkerung mitnehmen." Es liege daher in der Natur der Abläufe, dass Zeitziele nicht immer eingehalten werden könnten.

Zu den ersten Passagieren der Eröffnungszüge gehörten neben der Polit-Prominenz auch 1000 per Los ermittelte Schweizer. Damit dankten Regierung und die Schweizerischen Bundesbahnen der Bevölkerung symbolisch dafür, dass sie das umgerechnet elf Milliarden Euro teure Bauwerk mit ihrer Zustimmung bei einem Volksentscheid und als Steuerzahler möglich gemacht hatte.

Im Dezember geht es richtig los

Der Gotthard-Tunnel verbindet die deutschsprachige Stadt Erstfeld im Norden der Schweiz mit dem italienischsprachigen Bodio im Süden des Landes. Er ist nicht nur der längste Eisenbahntunnel der Welt, sondern auch der am tiefsten gelegene. An seiner tiefsten Stelle liegt er etwa 2,3 Kilometer unter der Erdoberfläche. Im Dezember soll er für den kommerziellen Verkehr öffnen. Dann sollen pro Tag bis zu 260 Frachtzüge und 65 Passagierzüge durch den Tunnel fahren.