Das Google-Logo auf einer Konferenz in Peking | Bildquelle: AP

Zensierte Suchmaschine Google-Mitarbeiter kritisieren China-Pläne

Stand: 17.08.2018 11:35 Uhr

Google will offenbar eine Suchmaschine bauen, die der chinesischen Zensur unterliegt. Nun haben Mitarbeiter sich in einem Brief gegen das Vorhaben gestellt - es werfe "dringende moralische und ethische Fragen" auf.

Mehr als 1000 Google-Mitarbeiter haben sich gegen mutmaßliche Pläne ihres Konzerns ausgesprochen, eine der chinesischen Zensur unterliegende Suchmaschine zu bauen. Das Projekt Dragonfly werfe "dringende moralische und ethische Fragen auf", zitierte das US-Portal "The Intercept" aus einem Brief an die Konzernführung. Darin werden auch mehr Informationen zu den Plänen gefordert. Nur wenige Mitarbeiter seien eingeweiht.

Die Angestellten forderten die Führungsriege des Unternehmens auf, die Firmenstandards zu Ethik und Transparenz zu überprüfen. Diesen Regeln zufolge dürfe Google keine Dienste anbieten, die zu Verletzungen von Menschenrechten führen. Ein Mitarbeiter, der den Brief mit organisierte, bestätigte der Agentur AP zufolge dessen Inhalt, wollte aber namentlich nicht genannt werden.

Google-Chef Sundar Pichai reagierte offenbar bereits auf den Brief. Es sei "sehr unklar", ob der US-Konzern überhaupt einen solchen Dienst in China anbieten könne oder werde, sagte er laut der Nachrichtenagentur Reuters vor Mitarbeitern. Das zuständige Team prüfe seit einiger Zeit die Möglichkeiten - "und ich glaube, sie prüfen viele Optionen". Zu den Forderungen nach mehr Transparenz sagte er dem Bericht zufolge: "Wir werden auf jeden Fall transparent vorgehen, je näher wir einem tatsächlichen Plan kommen." Der Konzern behandle die Informationen über einige Projekte vertraulich, wenn eine zu frühe Bekanntgabe "Probleme bereiten" könnte.

Kritik von Menschenrechtlern

Bereits Anfang August hatten Aktivisten und Menschenrechtler die China-Pläne kritisiert, als mehrere US-Medien darüber berichteten. Die zensierte Suchmaschine für das mobile Betriebssystem Android würde demnach in China gesperrte Webseiten und Suchanfragen etwa nach Menschenrechten, Demokratie, Religion oder friedlichen Protesten aussortieren. Damit entspreche sie den strikten Zensurvorschriften der kommunistischen Führung in Peking.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem "schweren Angriff auf die Informationsfreiheit". Der Konzern hat die China-Pläne bislang nicht bestätigt.

Auch soziale Medien und kritische Seiten gesperrt

Google ist in China gesperrt, weil es sich der Zensur zumindest bisher nicht beugen wollte. Der Konzern sucht aber nach einem Zugang zu dem weltgrößten Internetmarkt mit 730 Millionen Nutzern. Eine zensierte Suchmaschine würde eine Wende in Googles Chinapolitik darstellen: Das Unternehmen hatte sich 2010 aus dem großen Markt zurückgezogen, um sich nicht weiter selbst zensieren zu müssen.

China sperrt nicht nur Google und seine Dienste wie die Suchmaschine oder den E-Mail-Dienst Gmail. Auch soziale Medien wie Facebook, Twitter oder YouTube und WhatsApp sind geblockt. Nachrichtenseiten der "New York Times", des "Wall Street Journals" und politisch heikle oder chinakritische Webseiten sind ebenfalls nicht zugänglich.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. August 2018 um 10:15 Uhr und 11:15 Uhr in den Nachrichten.

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