Google Standortdaten | Bildquelle: REUTERS

Coronakrise in 131 Ländern Google veröffentlicht Bewegungsdaten

Stand: 03.04.2020 13:33 Uhr

Wie ernst nehmen die Menschen Ausgangsbeschränkungen und andere Auflagen wegen der Corona-Pandemie? Um das nachzuvollziehen, hat Google Standortdaten aus 131 Ländern veröffentlicht - anonymisiert.

In der Corona-Krise gibt der Suchmaschinen-Anbieter Google Einblick in das Verhalten der Menschen: Die Tochter des US-Konzerns Alphabet hat Analysen von Standortdaten in 131 Ländern veröffentlicht. Die anonymisierten Daten sollen zeigen, inwieweit die Auflagen wie beispielsweise Ausgangsbeschränkungen eingehalten werden. Das soll den Behörden weitere Anhaltspunkte liefern.

In Deutschland zum Beispiel wird auf Bundesland-Ebene gezeigt, wie sich die Zahl der Menschen etwa in Parks und Einkaufsläden sowie auf Bahnhöfen entwickelt hat.

Keine Rückschlüsse auf Bewegung Einzelner

Dabei bekommt man nur eine prozentuale Veränderung insgesamt zu sehen, nicht aber die Gesamtzahl der Besuche, erklärten die Leiterin des Kartendienstes Google Maps, Jen Fitzpatrick und Googles Gesundheitsbeauftragte Karen DeSalvo. "Wir hoffen, dass diese Berichte dabei helfen, Entscheidungen zum Umgang mit der Coronavirus-Pandemie zu treffen." Rückschlüsse auf das Bewegungsprofil einzelner Nutzer sollen laut Google nicht möglich sein.

Ausschnitt aus einem von Google veröffentlichten Bericht über Bewegungsmuster | Bildquelle: Screenshot google
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Die Berichte zeigen Auswirkungen der Beschränkungen.

Ausschnitt aus einem von Google veröffentlichten Bericht über Bewegungsmuster | Bildquelle: Screenshot google
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Zu sehen sind prozentuale Veränderung insgesamt.

Anonyme Handy-Daten

Nach Angaben von Google wird hierfür auf anonymisierte Handy-Daten von Nutzern zurückgegriffen, die ihre Aufenthaltsorte in ihren Google-Profilen aufzeichnen lassen und der Speicherung ihrer Standortinformationen zugestimmt haben.

Konkret veröffentlichte Google auf Länderebene heruntergebrochene Tabellen, die Bewegungen im Zeitraum vom 16. Februar bis 29. März vergleichen. Diese sind aufgeteilt in verschiedene Segmente wie Restaurants, Einkaufszentren und Museen, Einzelhändler und Apotheken, Parkanlagen, Bahnhöfe sowie Arbeitsplätze und Wohngegenden.

Google Standortdaten Menschen | Bildquelle: AFP
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Menschen in Berlin: Die Google-Daten sollen zeigen, wie sich die Zahlen der Besucher zum Beispiel in Parks entwickelt haben - es gehe nicht um die Bewegung Einzelner.

Bewegungen in Wohnvierteln und Bahnhöfen

Während in Deutschland in diesem Zeitraum die Bewegungen in Wohngegenden um elf Prozent anzogen, fielen sie bei Bahnhöfen um 68 Prozent.

Mit der Zeit könnten die Daten auch auf tiefere regionale Ebenen heruntergebrochen werden, erklärte der Internet-Konzern. In den USA etwa sind die Trends bereits auf County-Ebene verfügbar.

In Zukunft könnten mit den Daten möglicherweise auch Annahmen zur weiteren Entwicklung getroffen werden.

Handydaten: Warnung vor Missbrauch

Zahlreiche Länder wie China, Südkorea oder Israel setzen im Kampf gegen das Coronavirus bereits massiv auf die Auswertung von Handydaten. Datenschützer und Menschenrechtsaktivisten sehen darin eine Bedrohung für die Privatsphäre der Bürger und warnen vor einem Dammbruch bei der Überwachung.

In Deutschland wird derzeit über den Einsatz einer sogenannten Tracking-App diskutiert, über die Nutzer freiwillig ihre Standortdaten übermitteln können.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. April 2020 um 16:00 Uhr.

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