Google-Schriftzug in Peking | Bildquelle: REUTERS

Google beendet Projekt Keine eigene Suchmaschine für China

Stand: 12.12.2018 06:04 Uhr

Zensur ist in China an der Tagesordnung. Für die Google-Suchmaschine ein Problem. Lange arbeitete der Konzern deshalb an einer eigenen Suchmaschine, doch das ist nun vorbei.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Für eine Anhörung im Kongress wird es erstaunlich konkret: Googles Chef Sundar Pichai wies Berichte zurück, das Unternehmen sei bereit, sich der chinesischen Internetzensur zu unterwerfen: "Im Moment haben wir keine Pläne für eine Suchmaschine in China", sagt er. Zugang zu Informationen sei ein wichtiges Menschenrecht. "Deshalb versuchen wir weltweit, Zugang zu Informationen zu schaffen. Derzeit gibt es keine Pläne für China."

Zuvor war berichtet worden, dass Google mit "Dragonfly" ein Produkt entwickelt, das explizit Informationen zensiert und mit dem Dissidenten verfolgt werden können.

Pichai während der Anhörung im US-Kongress. | Bildquelle: AP
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Google-Chef Pichai wurde drei Stunden befragt.

 Republikaner: Google zensiert konservative Meinungen

Insgesamt dreieinhalb Stunden sagt Pichai vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses aus. Geladen hatten die Republikaner. Abgeordnete wie Lamar Smith aus San Antonio werfen Google vor, konservative Inhalte zu unterdrücken: "Das passiert nicht zufällig, sondern ist Teil der Algorithmen. Diejenigen, die Algorithmen schreiben, bekommen die Ergebnisse, die sie sich wünschen, und das Management gestattet das", behauptet Smith. Immer wieder muss sich Pichai gegen solche Vorwürfe von Republikanern wehren.

Wenn Google-Angestellte gegen Präsident Donald Trump sind, dann spiegele sich das auch im Produkt wieder. Wahrnehmung sei Realität, fasst der Abgeordnete Doug Collins zusammen. Der Republikaner Matt Goetz fordert Google sogar auf, die politische Überzeugung von Beschäftigten zu prüfen:

"Sie wissen, dass die Widerstandsbewegung dazu aufruft, sich Präsident Trump zu widersetzen. Es gibt eine Gruppe in ihrem Unternehmen, deren Diskussionen in der Arbeitszeit mit Hilfe der Infrastruktur des Unternehmens geführt werden. Wäre das etwas, was sie untersuchen wollen?", fragt er.

Pichai: Wir sind neutral

Google-Chef Pichai entgegnet, für die 90.000 Angestellten sei freie Meinungsäußerung im Unternehmen garantiert. "Uns ist wichtig zu zeigen, dass unsere Produkte funktionieren, ohne parteiisch zu sein. Und wir erstellen sie auf neutrale Weise." 

Das politische Hickhack der Abgeordneten garantiert dem Google-Chef, dass er weniger zur Verantwortung des Unternehmens befragt wird. Oder nach dem Datenleck bei Google+ zu Beginn der Woche.

Ortung? Nicht in der Grundeinstellung

Manchmal gelingen Fragen aber doch. Zum Beispiel als Ted Poe sein Handy in die Luft hält: "Weiß Google über dieses Telefon, dass ich mich von hier dort rüber bewegt habe?" Pichais vielsagende Antwort: "Nicht in der Grundeinstellung, aber es könnte einen Service geben, den sie nutzen." Beim Geschäftsmodell ist Google auf Ortungsdaten angewiesen, aber Pichai bleibt allgemein. Er verspricht, Informationen nachzureichen.

Schließlich verlangt der Abgeordnete Steve Cohen eine Hotline mit Kundenberatern, die bei den Sicherheitseinstellungen helfen - und das bei Google, einem Unternehmen, das ausschließlich auf Mathematik und Technologie basiert.

"Über 100 Leute an dem Projekt"

Nur beim Thema China muss Pichai am Ende einräumen, dass Google durchaus an einer Suchmaschine für die Volksrepublik gearbeitet hat: "Eine Zeit lang haben wir das Projekt verfolgt. Soweit ich weiß haben zeitweise über 100 Leute an dem Projekt gearbeitet", sagt er.

Der Abgeordnete David Cicilline fordert Google auf, alle Entwicklung zu stoppen, die Zensur in autoritären Regimen unterstützen.  

Google-Anhörung: CEO Pichai verspricht, keine Zensur für China
Torsten Teichmann, ARD Washington
12.12.2018 05:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 12. Dezember 2018 um 10:51 Uhr.

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