Ein Demonstrant wird in Moskau von Sicherheitskräften weggetragen. | Bildquelle: REUTERS

Protestzug in Moskau Festnahmen bei Kundgebung für Golunow

Stand: 12.06.2019 15:51 Uhr

Bei einer Kundgebung für den Enthüllungsjournalisten Golunow sind in Moskau Hunderte Menschen festgenommen worden. Unter ihnen soll auch der Kremlkritiker Nawalny sein.

Der Enthüllungsjournalist Iwan Golunow ist zwar frei - doch heute gibt es neue Auseinandersetzungen: Mehr als 200 Menschen sind nach Angaben der Polizei bei einer nicht genehmigten Solidaritätskundgebung für Golunow in Moskau festgenommen worden, laut einer Nichtregierungsorganisation waren es sogar 400 Menschen. Unter den Festgenommenen soll auch der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny sein.

Auf Bildern ist zu sehen, wie Russlands führender Oppositioneller von Polizisten in einen Polizeibus gezogen wird. Er war in den vergangenen Jahren schon mehrfach festgenommen worden. Der Aktivist schrieb nach seiner Festnahme auf Twitter: "Es macht Sinn, die Machthaber sind höllisch erschrocken wegen der fantastischen und einmütigen Solidaritätsbekundung in der Golunow-Sache." Ihm drohen seiner Sprecherin zufolge bis zu 30 Tage Haft.

Der russische Journalist Golunow zeigt sich nach seiner Freilassung aus der Haft zu Tränen gerührt | Bildquelle: dpa
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Überraschend war der Journalist Golunow entlassen worden.

Protest gegen Rolle der Polizei

Der Protestzug war zunächst als Solidaritätsveranstaltung für Golunow geplant, der wegen angeblichen Drogenhandels festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden war, ehe das Verfahren gestern überraschend eingestellt wurde. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 1200 Menschen an der Kundgebung, wie die Nachrichtenagentur Tass meldete. Der Protest richtete sich nach Angaben des Bürgerrechtsportals "OWD-Info" dann aber gegen die Rolle der Polizei im Fall Golunow. Die Demonstranten riefen demnach "Schande" und "Stoppt Polizeiterror". 

Auch ARD-Korrespondentin Birgit Virnich sagt, die Proteste seien mehr gewesen als eine Solidaritätskundgebung für Golunow. Demonstranten hätten immer wieder betont, dass es eigentlich um Pressefreiheit und das Versammlungsrecht in Russland gehe. "Viele wurden wahllos um uns herum festgenommen. Sie trugen weder Plakate noch haben sie irgendetwas gesagt. Die Polizei ist da ganz systematisch und sehr brachial vorgegangen und hat die Leute einfach rausgeholt aus der Menge, mitgenommen - ältere Herrschaften und vor allem natürlich viele, viele Junge."

Auch viele junge Journalisten seien da gewesen, um ein Zeichen zu setzen, dass die Repressalien ein Ende haben müssten. Golunow sei nicht wirklich ein sehr prominenter Journalist gewesen. "Und ich denke, dass nach diesem Fall viele Journalisten den Eindruck bekommen haben, es könnte auch sie treffen, es könnte jeden treffen", sagt Virnich. Es gebe auch ähnliche Fälle, andere Reporter, denen ebenfalls Drogen untergeschoben worden seien. "Das ist wie Damoklesschwert, das über den Menschen hängt, die sich zu weit vorwagen. Und man weiß eben nie, wann es zuschlagen wird, wann es einen treffen wird."

Birgit Virnich, ARD Moskau, zur Solidaritätsdemonstration für Journalisten Iwan Golunow
tagesschau24 15:00 Uhr, 12.06.2019

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"Spiegel"-Mitarbeiter unter Festgesetzten

"Der Spiegel" meldet, dass am Rande der Demonstrationen auch einer seiner Mitarbeiter, Alex Chernyshev, festgenommen worden sei, obwohl er sich als Journalist ausgewiesen habe. Ein vom "Spiegel" veröffentlichtes Video zeigt, wie Chernyshev von der Polizei abgeführt wird.

Die Festnahme des Investigativ-Journalisten Golunow hatte eine Welle der Empörung in der russischen Bevölkerung ausgelöst. Zahlreiche russische Kollegen Golunows und internationale Organisationen verurteilten das Vorgehen der Behörden. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Juni 2019 um 14:00 Uhr.

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