Verlassenes Basketballfeld in Bruchim | Bildquelle: Benjamin Hammer

Golanhöhen Im Dorf, das Trumps Namen tragen soll

Stand: 28.05.2019 13:43 Uhr

Ein israelisches Dorf auf den Golanhöhen soll nach US-Präsident Trump benannt werden. Noch leben dort gerade zehn Bewohner - doch die Regierung hat Großes mit dem Ort vor.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Auf den ersten Blick wirkt das Dorf, das nach Donald Trump benannt werden soll, menschenleer. Ein paar Katzen laufen über schmale Wege. Das Gras ist hochgewachsen und schon länger nicht mehr geschnitten worden. Auf dem Basketballplatz neben dem Dorf hat wohl schon seit Jahren niemand mehr gespielt. Die Basketballkörbe sind völlig verrostet und verbogen. Im Hintergrund ist der Hermon zu sehen, der höchste Berg auf den Golanhöhen.

In Bruchim, so heißt das Dorf im Moment noch, leben nur etwa zehn Bewohner. Doch schon bald soll das Dorf renoviert und ausgebaut werden. Aus Bruchim soll dann "Neve Trump" werden. Vielleicht auch "Ramat Trump", was auf Deutsch so etwas wie "Trump-Höhe" bedeutet.

Blick auf ein Haus in Bruchim | Bildquelle: Benjamin Hammer
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Haus in Bruchim: Der Ort verspricht sich viel von der Umbenennung.

 "Alle Israelis waren sehr bewegt", sagte Israels Premierminister Benjamin Netanyahu vor einem Monat auf den Golanhöhen.

"Präsident Trump hat die israelische Souveränität über die Golanhöhen anerkannt. Eine historische Entscheidung. Deshalb plant unsere Regierung eine Resolution, wonach eine neue Gemeinschaft auf dem Golan entstehen soll. Benannt nach Präsident Donald J. Trump."

Vor 52 Jahren eroberte Israel die Golanhöhen von Syrien. Vor 38 Jahren annektierte es das Gebiet - was die Vereinten Nationen nie anerkannt haben. Völkerrechtlich gehören die Golanhöhen zu Syrien. Mit diesem internationalen Konsens hat Trump nun gebrochen.

"Ein Tor zwischen Syrien und Israel, das Israel beschützt" 

Bei vielen Drusen auf dem Golan kommt das gar nicht gut an. Nicht alle, aber viele Mitglieder der arabischsprachigen Minderheit fühlen sich Syrien zugehörig. Die meisten Israelis freuen sich hingegen über die Entscheidung Trumps. Denn während ein relevanter Teil der israelischen Bevölkerung die Besatzung des Westjordanlandes ablehnt, gehören die Golanhöhen für sie völlig selbstverständlich zu Israel.

Menachem Ender lebt hier seit 46 Jahren. "Ich bin seit dem Jom-Kippur-Krieg da", sagt er. "Damals sah ich die Existenz des Staates Israel in Gefahr. Deshalb bin ich hier hingezogen." Die Golanhöhen seien wie ein Tor. "Ein Tor zwischen Syrien und Israel, das Israel beschützt." 

Menachem Ender | Bildquelle: Benjamin Hammer
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Menachem Ender lebt seit 46 Jahren in Bruchim.

Gestiegenes Investoren-Interesse

Mehr als 500 Häuser könnten in dem Dorf insgesamt gebaut werden. Für Golan-Verhältnisse ein sehr großes Projekt. Vertreter des Landkreises berichten, dass seit Trumps Golan-Entscheidung das Interesse von Investoren gestiegen sei.

Ender findet es gut, dass Bruchim bald nach dem US-Präsidenten benannt werden soll. "Amerika ist der mächtigste Staat der Welt. Donald Trump als Präsident der mächtigste Mann der Welt", sagt er. "Wenn er die israelischen Interessen unterstützt, dann soll dieser mächtige Mann mit seinem Namen in die Geschichte eingehen."

Nach Angaben der Planer auf den Golanhöhen ist die Sache mit dem Trump-Dorf so gut wie durch. Allerdings muss der Prozess zunächst von einer neuen israelischen Regierung angestoßen werden. Und die Bildung einer solchen Regierung um Premier Netanyahu stockt im Moment gewaltig. Wenn sich nicht bald etwas tut, könnte es Neuwahlen geben. Einem Mann im Weißen Haus im fernen Washington dürfte das nicht gefallen. Denn dann würde Bruchim erst einmal weiterhin Bruchim heißen.

 

Neve Trump - ein Dorf für den US-Präsidenten
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
28.05.2019 00:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Mai 2019 um 05:54 Uhr.

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